Am Abende zeigte ich dem Pharmazisten einen Theil meiner wenigen, aus Kairo mitgebrachten Alterthümer. Eine aus Stein gehauene Figur faßte eben ein Araber recht ins Auge, als er bemerkte, daß er auch schon Steine auf dem Wege gesehen, aber keine Lust gehabt hätte, sie mitzunehmen. Weil ich nicht arabisch konnte, so hielt mich ein arabischer Jüngling für erzdumm und verglich mich einem Kameele, welches auch nicht reden könne. Während wir schon in unsern Betten ruhten, wurden von arabischen Jünglingen einige Tänze aufgeführt.

Den 25.

Vor Tagesanbruch rief der Pharmazist seine jungen Burschen herein, um die Pfeifen anzünden und einen schwarzen Kaffee bereiten zu lassen. Sie brachten die glühende Kohle in der Zange auf die gestopfte Pfeife, und wir rauchten; sie trugen den heißen Kaffee herbei, und wir tranken. Unser Gastwirth hat die morgenländischen Sitten aufs gutherzigste eingeschlürft, und oft pries er sie als echter Lebemann.

Der Hauptmann und ich ritten mit drei Dromedaren weg. Auch dieser Theil der Wüste war hie und da mit Gewächsen bedeckt. Auf dem Wege erblickten wir dann und wann eine Kameel-, Schaf- oder Ziegenherde. Mittags gelangten wir zu einer Post, um welche ein zahlreiches Volk Hühner wimmelte. Vor derselben erinnerte eine Strecke Salzboden an die Gegend von Choanat. Bei der Post, wo wir nur kurz anhielten, begann angebautes Feld inmitten wüster Ländereien zu meinem Entzücken; es übersiedelte mich wieder nach Europa. Entbehrungen haben doch das Gute, daß sie meistens mit erhöhtem Genusse enden.

In Egypten streift keine Ackerfurche durch Hügelabhänge. Neu waren mir wieder die durchfurchten Abdachungen. Ein Kameel zog an zwei Stricken mit den Schulterblättern den Pflug, welcher nur kleine, etwa vier bis fünf Zoll von einander entfernte Gräben aufwühlte. Dem Ackerfelde folgten Triften, worauf viele Schafe und Ziegen unter der Hut von Mädchen weideten. Die Erde hatte ein anderes Kleid an. Die unermüdlichen Vögel sangen ohne Unterlaß.

Der Weg strich gegen Nordost. Als ich einmal das Meer wahrnahm, lag es gegen Abend. Es stieg in mir der Gedanke auf, daß ich nicht mehr in Egypten, nicht mehr in Afrika, sondern in Asien sei. Dieser Gedanke versetzte meine Seele in angenehme Schwingung. Ich durfte wohl die Grenze des asiatischen Bodens nicht überschreiten, ohne lebhafte Begeisterung für die folgenreichen Thaten seiner längst entschwundenen, ehrwürdigen Bewohner, welche jetzt noch bei uns zum Vorbilde genommen werden. Staunend senkte sich mein Blick auf den alten Welttheil, das Geburtsland von Christus aus Nazareth, das Stromgebiet religiöser Grundansichten, welche mir schon in früher Jugend am fernen Alpengebirge Europens eingeflößt wurden. Ich möchte meine Gedanken und meine Gefühle beim Betreten Asiens nicht näher bezeichnen, aus Besorgniß, daß man sie als unzeitige Ergüsse mißdeuten könnte. Statt alles Mehreren werfe ich bloß die schlichte Frage auf: Kann ein Unterrichteter ohne eine Regung des Geistes und ohne eine Bewegung des Gemüthes den Boden dieses Welttheils berühren? Ich erinnere mich noch der Kinderjahre, in denen ich mir das biblische Asien, die Gegend meiner Sehnsucht, als die Hälfte des Weges in die Ewigkeit vorstellte. Die Träumereien der Jugend verdienen keinesweges die Verachtung, die ihnen gemeiniglich widerfährt; sie haben allerdings nicht selten Bedeutung und Werth; sie sind ein trüber Waldbach, der nur durch die Seihe der reiferen Jahre fließen darf, um klar und genießbar zu werden.

Rafa, Raphia bei den Alten, ist fast ganz vergangen. Eine halb in die Erde gestürzte Säule trauert am Wege in Gesellschaft von zwei aufrecht stehenden. Jene soll die Grenzsäule zwischen Asien und Afrika sein.

Wir kamen diesen Nachmittag neuerdings in die Wüste und über mehrere Sandhügel. — Einmal verlor ich den Hauptmann und unsern neuen Führer, einen Mohren, völlig aus den Augen. Auf einem Scheidewege fiel die Wahl mir schwer. Ich schlug den linken Weg ein, ungeachtet ich dazu den Dromedar, der gerade vorwärts wollte, nur mit Mühe bewegen konnte. Kaum aber war eine Anhöhe erstiegen, so verschwand der Weg und ringsum verdüsterte die Wüste den Ausblick. Ich wendete mich wiederum rechts, der Dromedar fand richtig den Weg und bald verkündigte fleißigerer Bodenbau die Nähe einer Ortschaft. Wir waren schon im Städtchen Kan-Yunos.

Yunos, Jenisus der Alten, ist in Feigen-, Dattel- und Oelbäume gebettet. Im lebhaften Bassar lächelten den Wüsteentronnenen die Dinge an, welche so verschiedene Bedürfnisse beschwichtigen. Erinnerungen an mein Heimathland wurden beim Anblicke grüner Wiesen, des Viehes und der weißen Bevölkerung aufgefrischt; sogar die Breter, als eine Seltenheit in Egypten, erregten meine Aufmerksamkeit. Die große Moschee, von sarazenischem Geschmacke, erhielt sich in gutem Zustande.