Ich will keine Geschichte von Jaffa liefern; nur kann ich mich nicht enthalten, drei Schriften aus der jüngern Vergangenheit Auszüge zu entheben.

„Jetziger Zeit“ (1581), sagt Salomo Schweigger, „ist keine Behausung mehr vorhanden, denn auf einem nicht gar hohen Berge zwei Gebäu, groß und weit, ziemlich stark. Darinnen eine türkische Besatzung etlicher Araber von wegen der Anlände aus Egypten. Sonst sieht man am Berge etliche alte Gewölbe. Die meiste Waare, so dahin gebracht wird aus Egypten, ist Salz und Reis. Dagegen ladet man Oel. Haben derhalb keine Herberg funden, sondern mußten unterm freien Himmel für gut nehmen im Sande zunächst am Meere.“

Vernehmen wir de la Mottraye: „Nach einer Fahrt von sechszehn Tagen und nach verschiedenem Ungemach kamen wir den 19. Merz 1697 auf der Rhede vor Jaffa an. Dieser Ort ist von so vielen Reisenden beschrieben, daß ich mich der Mühe überheben kann, eine neue Beschreibung davon zu geben, zumal da derselbe jetzt kaum mehr den Namen eines Dorfes verdient. Von dieser uralten Stadt ist nichts mehr übrig, als ein großer, halb eingefallener Thurm, und zwei kleinere, die noch ganz sind, auf dem Gipfel eines benachbarten Berges, und einige in den Berg gegrabene Höhlen; denn Häuser sind es wahrlich nicht. Nur eine Herberge für den Fremden, welche den Namen eines Hauses verdient, steht am Ufer des Meeres. Der Hafen ist nicht sonderlich, und wird, aus Mangel der Unterhaltung, von Tage zu Tage schlechter. Einige Spuren von dicken, wohl zämentirten Mauern, die nicht weit vom Ufer aus dem Wasser hervorragen, scheinen die Ueberbleibsel eines Dammes oder Molo zu sein, der noch heutzutage sehr nützlich sein würde, um den Nordostwind abzuhalten, welcher die Gebäude hier ziemlich in Gefahr setzt, wenn er heftig weht.“

Jonas Korte fand vor bald einem Jahrhunderte (1738) in Jaffa ein Haus, Hospiz genannt, worin beständig ein Pater und Frater vom Franziskanerorden sei, und sagt dann weiter: „Das Hospizium, darin ich war, gehört auch den Patribus de Terra Sancta. Es liegt just am Meere, und man steigt nur etliche Stufen dazu hinauf, und ist an einen Berg, worauf die Stadt meist liegt, angebauet. Die Kapelle und ein paar Kammern waren auch in den Felsen oder Berg hineingemacht und also schön kühl. Die Herren Patres behaupten, dieses Haus stehe an derselben Stätte, wo Simon, der Gerber, gewohnt, und wo Petrus das Gesicht oder Offenbarung gehabt, wiewohl man mit Augen sehen kann, daß die See viel von dem Berge abgerissen, und Stücke von den alten Stadtmauern und Thürmen über zwei Steinwurf in der See liegen.“

Die Tageslänge.

Wenn man einmal Reisender ist, so richtet man die Aufmerksamkeit auf alle Verschiedenheiten, notabene auf alle, die Einem nicht entschlüpfen. Außer den Temperatur- und Witterungsverschiedenheiten wird man in Syrien unter dem 32. Grade nördlicher Erdbreite einen bedeutenden Abstand in Bezug auf die Tageslänge wahrnehmen. Ich hielt mich während des kürzesten Tages in Jaffa auf, und sieben Uhr Morgens schon und noch fünf Uhr Abends konnte man an einem hellern Orte leicht lesen.

Für die Klöster im jüdischen Lande (Tabula secunda pro Conventibus Judaeæ sub elevato Polo per gradus 32) liegt eine gedruckte Tabelle vor mir, worauf in der Regel von sechs zu sechs Tagen die Zeit des Sonnenauf- und Untergangs durch das ganze Jahr angegeben ist. Ich will am liebsten die Tabelle selbst redend einführen, da sie, längst ansäßig in Syrien, mir aus einer Verlegenheit helfen und auch Auskunft ertheilen kann, wie weit der längste Tag seine Flügel von einander ausspanne. Am kürzesten Tage schläft die Sonne allerdings nicht so lange, wie bei uns; denn sie steht um sieben Uhr und drei Minuten auf, und sie legt sich um vier Uhr und siebenundfünfzig Minuten nieder. Dafür läßt sich die Sonne am längsten Tage zum Aufstehen mehr Zeit, indem sie um vier Uhr und siebenundfünfzig Minuten aufgeht; und als wenn sie durch ihren heißen Schein leichter sich erschöpfte, sie nimmt schon um sieben Uhr und drei Minuten Reiß — unter.

Und nun denn den ersten beßten Kalender zur Hand, ist eine Vergleichung der Tageslänge in dem jüdischen und dem Abendlande nicht ebenso belehrend, als die Betrachtung des Aderlaßmännchens, dem man wohl Blut, aber den Geist nicht, der auf dem Blute schwimmt, nämlich die Vorurtheile, opfert?

Witterungsbeschaffenheit.