Endlich leuchtete mir der Tag auf das furchtbar schöne Schauspiel. Der Nordwind wühlte in den Wassern. Wäre von dem Meere, wie von einem Kochkessel, Dampf emporgestiegen, so hätte man sich nicht täuschen können, daß es in Sud gerathen sei. Die Wogen spritzten ihren schaumigen Bogen über Mauer und Gasse, über Schiffe und Häuser. Ich wohnte im Hospiz durch Mauer und Gasse vom Ufer getrennt und über dem Erdgeschoße im zweiten Stockwerke, und selbst am Fenster ereilte mich der Sprengwisch des Meeres.

Auf der Gasse schaukelten die Fässer im Meerwasser. Die griechischen Pilger, sonst jederzeit ziemlich langfingerige Holzaufleser, rafften abgesprungene Reife im Vorbeigehen zusammen. Mußte doch den Christusdurstigen selbst der Sturm behilflich sein. Pflaster- und Mauersteine löseten sich vor der Gewalt. Die Gasse bildete ein Wassergerinne im Augenblicke, da die Woge überschlug. Wer vorüberging, war unsicherer, als unter dem Platzregen. Ehe er sich versah, stand er unter der Meerestraufe. Weiße Flocken flogen zierlich umher — etwa Schneeflocken? Es waren vom Winde zerzettelte Bäuschchen schneeichter Baumwolle. Von einem Hause am Hafen, über dessen Zinne die Wellen gleichsam scherzend hüpften, flüchtete man Waaren. Schon schwamm Wrack. Es war der Fingerzeig, daß es Ernst gelte. Richtig wälzten die Fluthen ein unbemanntes Schiff mit zerknicktem Fockmaste daher. Das Fahrzeug, gleichsam unwillig über die treulose Rhede, riß sich von den Tauen los. Dem Beherrscher der Meere, dem Sturme, zu wohlfeilem Preise überlassen, wippte es sich zuerst unsicher umher, bis es, gegen Mitternacht gleich an der Stadt, am halbmondigen Strande scheiterte. Im Ausfahren aus der Rhede riß indeß dieses Schiff das Tau eines andern ab, welches ohnehin mit genauer Noth sich hielt. Und so kam es, daß bald auch dieses Schiff flott war, nackt, gleich einem entblätterten Baume, doch noch mit einiger Bemannung. Grausig, wie der Anblick einer menschenleeren Brandstätte, war derjenige des erstern entvölkerten Schiffes; beängstigend ist der Anblick eines der Menschengewalt entzogenen und der Willkühr des Windes und Wassers dienstbar gewordenen, unstät umherwiegenden Fahrzeuges, wie der Anblick eines kleinen Kindes, das mit einem scharfen Messer spielt. Die Mannschaft, welche dem zweiten Schiffe vertraute, schien ihre Hoffnung auf den Nordwind zu bauen, welcher nur gegen das Land treiben werde. Wirklich rannte es sich bei der Stadtmauer fest, ohne den größten Schaden zu erleiden, und gerettet waren die Schiffleute.

Auf der Stelle bewegte sich eine Last Leute nach den losgerissenen Schiffen. Eilends mischte ich mich unter die Menge. Ich sah viel Augen und lauter trockene; die meisten drückten weit mehr Neugierde, als Theilnahme an dem Unglücke aus.

Abends und in der darauf folgenden Nacht wichen der Macht des Sturmes noch drei andere Schiffe. Eines ward mit Wuth ans Land geworfen, und in viele Stücke zerschmettert. Nur ein Schiff trotzte standhaft im sogenannten Hafen. Der Meeressturm soll seit einem Jahrzehn nie mehr so heftig geworden sein.

Vor einem Jahre ereigneten sich hier ähnliche Unfälle. Ich sprach in Jerusalem eine Deutsche, die, wie sie sagte, einzig durch Zufall ihr Leben davon brachte; manche Habseligkeiten gingen über dem Schiffbruche zu Grunde.

Es wäre vielleicht unschwer, in Jaffa einen Hafen anzulegen. Die Araber kennen freilich den Gemeinsinn, der solche nützliche Einrichtungen ins Dasein rufen würde, nicht mehr, und laufen lieber alle Jahre Gefahr, Schiffe und Leute zu verlieren. Die Reisenden erzählen einstimmig, daß die Menge gescheiterter Fahrzeuge an der phönizischen Küste in Erstaunen und Grausen setze. Wer aber gleichgültig genug ist, für die Gesundheit seines Beines keine Sorge zu tragen, klage denn auch nicht, wenn dasselbe, wegen der Unheilbarkeit, abgeschnitten und mit einem hölzernen vertauscht wird.

Gesundheitszustand.

Die Witterung übt im Ganzen keinen ungünstigen Einfluß auf die Bewohner. Man sieht viele Graubärte und alte Weiber. Spaß bei Seite, je mehr es alte Weiber in einem Lande gibt, desto gesunder ist es.