Fast mitten in der Wohnung ist ein kleiner Raum auf drei Seiten, vom Boden an, nicht hoch ummauert, selbst etwas zierartig, indem die Ränder in Zähne sich endeten, — das war der Kochofen, rings die Küche.

In einem Winkel neben der Thüre lag dürres Buschwerk. Vor diesem bläheten sich ungeheure, faßartige Töpfe auf, zwei an der Zahl. Meine Neugierde wollte wissen, was der Inhalt derselben sein möchte. Der Hauswirth, ohne Mißtrauen gegen mich, nahm daraus gereinigtes, geschältes Getreide. Wenn die Bauern hier solche Vorräthe besitzen, so stehen sie nicht hinter manchen schweizerischen Webern zurück, welche vom Arbeitsherrn zum Voraus einen Theil des Lohnes beziehen, damit sie die Kosten für ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Dieser Bauer, welcher das schönste Häuschen im Dörfchen bewohnte, schien indessen einer der wohlhabendern. Meine Beschreibung darf daher nicht strenge als Maßstab zu Beurtheilung der Bauernhäuschen gelten.

Wir lassen ja nicht unberücksichtiget den letzten Bestandtheil der Wohnung, einen Theil, der auch in andern Häusern selten fehlen wird: die Mühle. Gleich wenn man zur Thüre eintritt, liegen die Mühlsteine, ähnlich jenen in Lossin piccolo, vor den Füßen und nur ein paar Ellen weit von dem Kochofen.

Ich traf in dem Häuschen bloß den Bauer, ein Weib und ein Kind. Der Gebieter machte eine etwas saure Miene, schien jedoch guten Gemüthes zu sein. Das Weib trug einen Schleier. Nach dem, was ich vom Gesichte erblicken konnte, und dafür zeugten auch die Hände und Arme, hielt ich die Frau für jung und für nicht häßlich. Ein Knabe, von etwa zehn Jahren, mit Schmutz bedeckt, der ihm vielleicht von Geburt an anhänglich blieb, überdies aufgedunsen wie ein geschlachtetes — Zicklein, stand neben der Mutter. Die Kinder fürchten in der Regel die Franken ärger, als Vögel die Scheuchen. Ging ich auf der Straße, so wichen sie oft auf die Seite, etwa hinter einen Baum, wie der Furchtsame, welcher unter das Laubwerk flieht, um nicht vom Blitze berührt zu werden. Sind denn aber unsere Kinder, obwohl unter dem steten Einflusse der Gesittung und Weltaufklärung, in diesem Stücke besser? Es sollte ein Türke in einem Bergdorfe sich herumtreiben, wie sehr würden sie von Furcht ergriffen. Mich wunderte, daß der Knabe im Bauernhäuschen seinen Mund noch nicht verzerrte. Ich liebkosete ihn an den Wangen, und der Himmel war immer noch heiter. Da zogen sich auf einmal Regenwolken über dem Antlitze zusammen, und ich merkte bald auch am Knaben, daß die Regenzeit herrscht. Die lang dauernde gute Witterung durfte ich wohl dem Schutzgeiste der daneben hockenden Mutter, welche Kräuter zur Nahrung zerschnitt, beimessen. Daß ich nirgends ein Kochfeuer, nirgends einen Geruch von Speisen wahrnahm, leitete mich auf die Vermuthung, daß die Leute das Fastengesetz Mohammets strenge beobachten; denn schon vor etlichen Tagen verkündigte der Donner der Kanonen den Anfang des Fastenmonates.

Der palästinische Bauer scheint mir wohler zu stehen, als der egyptische. In der Saronebene trägt der Boden unermüdlich Früchte, ohne gedüngt zu werden. Diese sind Eigenthum des Anbauers, welcher selbst sie an den Mann bringt.

Das Quarantänegebäude oder Pestlazareth.

So eben baut man über den Ruinen an der Küste und bei den Mauern von Jaffa, gegen Mittag, eine Kontumazanstalt. Sie zerfällt in zwei Abtheilungen. Die obere enthält vierzehn Zimmer oder Häuschen. Jedes Zimmer, geräumig und hoch, hat Läden für das Licht und zwei Thüren, die eine gegen den Hof (Mitternacht) und die andere gegen die Einfangsmauern (Mittag). Es wäre nicht am Platze, die Anstalt weitläufig zu beschreiben. Ich bin überzeugt, daß sie, unter übrigens günstigen Umständen, ihren Zweck nicht verfehlen wird, obschon an ihr Mehreres ausgestellt werden dürfte. So wurde ein Theil des griechischen Leichenackers in den Umfang des Gebäudes gezogen, in welchem wirklich einige Leichensteine hervorragen. Für die Unreinigkeiten sind einige, aber ungenügende Einrichtungen getroffen. Unten besitzt die sonst ziemlich hohe Einfangsmauer Stufen, daß man sie leicht überklimmen kann, wenn man von innen aus Hilfe bekommt. Will man das Quarantänegebäude gleichsam vollpfropfen, so wird es 500 bis 600 Bewohner zählen.

Dir Anstalt soll vorzüglich für die christlichen Pilger bestimmt sein. Ich hörte aus mehr, als einem Munde, daß in Beirut, wohin dieselben sich begeben mußten, die Kontumazirenden sehr schlecht gehalten und himmelschreiend geprellt wurden, und man betheuerte sogar, daß mehrere Pilger in der dasigen Quarantäneanstalt wegen schlechter Verpflegung eine Beute des Todes wurden.

Gott behüte Jeden davor, daß er einen Lebensabschnitt in einem Pestlazareth vergähnen muß. Wirft aber Jemand das unerbittliche Schicksal in dieses Gefängniß, so genießt er doch die Aussicht auf die Stadt und das Meer, und er wird von frischer Luft angeweht. In El-Arysch wäre ich über eine Unterbringung, wie man sie hier erwarten darf, überaus froh gewesen. Das Lazareth wird vorzugsweise demjenigen willkommen sein, der von Egypten aus nach Jaffa zu reisen gedenkt; denn seit der Errichtung einer Quarantäne in Beirut mußte er sich den Umweg über diese Stadt gefallen lassen.