Die pfiffigen Egypzier wußten die noch nicht völlig ausgebaute Quarantäne schon zu einem Nebenzwecke zu benützen. Es rückte ein Bataillon Fußsoldaten, auf ihrem Zuge nach Egypten, in Jaffa ein, und man war nicht verlegen, so viel Mannschaft, als nur thunlich, in der Quarantäne Obdach anzuweisen.

Die Jaffanerin kommunizirt, besprengt sich...; der Jaffaner.

Die Kirche des Hospizium steht im zweiten Stockwerke, und von Morgen dem Zimmer des Pater Superior gegenüber. Obwohl klein, ist sie doch ein artiger Bau mit einigen schönen Gemälden. Ich wohnte in derselben dem Gottesdienste mehrere Male bei, und ich mußte mich über die geringe Anzahl der Anwesenden, im Verhältnisse zur Bevölkerung der Gemeinde, verwundern. Wenig feierlich schien mir die gottesdienstliche Handlung wegen des Marktgeschreies einer Handorgel, wenn man mir diesen Ausdruck erlaubt. Der Araber, welcher zwischen den Tönen verschiedener Orgeln kaum unterscheidet, und die Gassenorgeln unserer Straßensänger nicht kennt, wird mit mir den übeln Eindruck schwerlich theilen. Lieber hörte ich das Klosterglöckchen, welches mit bescheiden hellem Klange die Gläubigen zur Andacht aufforderte.

Als ich einmal die Kirche besuchte, sah ich zwei Levantinerinnen kommuniziren. Sie waren in einen großen, weißen Schleier gehüllt. Der Priester reichte in seiner feierlichen Amtskleidung ihnen die Hostie. Wie sehr befremdete mich, unter dem großen Kopfschleier einen schwarzen Schleier vor dem Gesichte der Morgenländerinnen gewahr zu werden, den sie doch beim Kommuniziren lüften mußten. Mühsam langten andere in die Kirche tretende Frauen unter dem Schleier hervor, um sich mit Weihwasser zu besprengen.

Auf der Gasse begegnete ich ebenfalls weißen Damen, die in einen Schleier völlig verhüllt waren. An diese Maskerade war ich freilich gewöhnt, aber nicht daran, daß es an derselben rasselte. Ich spähte zuerst immer umher, und nichts gab Stoff, das Gerassel zu erklären. Endlich glückte mir der Aufschluß: Es rasselten die unsichtbaren Goldstücke, welche um das Haupt angelegt waren. Wird unsern Jaffanerinnen, unsern Araberinnen die belebende Hoffnung, mit den unverhüllten Gesichtchen die Männer zu bezaubern, so grausam geraubt, — billig läßt man ihnen doch den Geschmeidekram und den Ersatz, daß sie frei durch den Schleier sehen und schmarotzen, während umgekehrt die züchtige und ziererische Abendländerin mit dem offenen Auge im Freien nur spärliche Blickchen sich erlaubt. Hinwieder erdenken die Schönen Europas, wer möchte es leugnen? auch Manches, um sich bei den Männern einzuschmeicheln, und es erschließt sich ihnen ein um so weiteres Feld, als sie mit letztern die unschätzbare Freiheit und Gleichheit der Gesichts — öffentlichkeit genießen. Und nicht zufrieden, nur das Auge zu entzücken, sie suchen auch das Ohr zu fesseln, und geben sich gar viel Mühe, mit Wohlgerüchen zu berauschen.

Die morgenländischen Christenmänner, welche der Bauernklasse nicht angehören, sind durch Schönheit ausgezeichnet. Ruhig brennet das schwarze Auge; auf dem ganzen Antlitze liegt der Ausdruck der Ruhe, der Bedächtlichkeit, der Unterwürfigkeit, der Schlenderei. Groß von Leibe, haben sie etwas Stattliches in ihren faltigen Gewändern, und mir schien, als wären sie auf ihren hochwulstigen, schief um das Haupt gewundenen Turban stolz. Sogar während des Gottesdienstes tragen sie auf dem Boden hockend den Turban, und bloß bei der Wandelung heben die Wenigsten ihn ab, wodann man ihre häßlichen Schurköpfe erblickt. Dafür werfen sie sich gottesfürchtig nieder, indem sie selbst mit der Stirne den Boden berühren.

Auch in Jaffa hält man den morgenländischen Christen für schlimmer, wenigstens für unredlicher, als den Türken. Bei einem Schneider, einem morgenländischen Christen, ließ ich an einem Kleide umändern. Er entwendete von meinem Tuche so viel, als er nur konnte, was schwerlich ein Kleidermacher im Lande des Niederganges gethan haben würde. Dabei stellte jener für die äußerst schlechte Arbeit eine unverschämte Forderung, und ich darf versichern, daß ich selten einen verstocktern Schuft antraf. Andere Züge will ich auf einen andern Ort versparen.

Die Pilger.

Die Bombarda (eine Art Fahrzeug), worauf ich mich begeben sollte, brachte christliche Pilgrime. Auch auf andern Schiffen langten solche in Jaffa an, und eines Tages zählte ich zwölf Schiffe, theils in, theils außer dem sogenannten Hafen. Die Menge christlicher Pilger belebte den Kai. Man ergötzt sich an ihren verschiedenen Trachten, welche der französischen schon ein wenig ähneln. So nenne ich die häufigen Schürzen oder Halbröcke, welche diesen Gegenden fremde sind. Einige tragen Regenschirme, die ich in Egypten nie und zum ersten Male wieder in Jerusalem zu Gesichte bekam. Die Pilger schleppen ungemein viel Gepäcke, auch einen beträchtlichen Mundvorrath mit sich. Es wird dasselbe in dieser Hafenstadt, manchmal nicht ohne Zänkereien der Pilger sowohl unter sich, als mit dem Kameel- oder Eseltreiber, auf Kameele, Esel oder Maulthiere geladen, um es nach Jerusalem, dem Wallfahrtsorte, zu befördern. Die Pilger, der größten Zahl nach Christen aus der europäischen Türkei, werden bis auf 10,000 geschätzt, die alljährlich durch Jaffa ziehen, und hier im griechischen oder armenischen Kloster mehr oder minder lange beherbergt werden[8]. Das Wallfahrten der griechischen Christen dauert bis Ostern, nicht ohne Meeresgefahren[9]. Ein Mönch aus Krakau, welcher nach mir in Jaffa eintraf, erzählte mit Schrecken von seinen Erlebnissen, und freute sich mit kindlichem Herzen, daß er nun auf festem Boden fußen könne.

Die arabische Knabenschule der Lateiner.