Das Wiegenlied singt die Mutter nach einer ganz eigenthümlichen Weise, und ich bedaure nur, daß ich kein Tonsetzer bin, um sie beifügen zu können. Die Worte zum Einlullen lauten so: „O mein Kind, schlafe; mein Auge, ich hoffe, daß ich dich nie aus dem Auge verlieren werde.“ Zum schon schlafenden Kinde singt die Mutter: „Meine Taube, dein Auge ist verschlossen; aber das Auge Gottes ist aufgeschlossen, und daß kein Leid dir wiederfahren kann, hat Gott den Menschen nicht auf immer verhärtet.“ Die Worte sind gemüthlich und erhaben zugleich.

Bei aller meiner Unbekanntschaft mit der Sprache und dem Bücherthume der Araber genieße ich vielleicht das Vergnügen, den Abendländern einen ihnen unbekannten Lappen arabischer Dichtungen überbringen zu können. Es fiel mir in Jaffa nicht wenig auf, als ich beim Einbruche der Nacht eben heimgekehrte Kinder anredend und antwortend in geregelten Weisen lärmen hörte. Auf meine Nachfrage darüber wurde sogleich von der Gasse ein Kind geholt; es sagte in Anwesenheit mehrerer Eingebornen das Gespräche her; einer davon übersetzte es ins Italienische, und ich schrieb dieses deutsch nieder. So viel zur Rechtfertigung meines Botengeschäftes.

Das Zweigespräch, wovon die Rede ist, halten übrigens nicht bloß fünfjährige und ältere Kinder als Nachtgruß, wenn sie sich trennen, sondern auch türkische Knaben, indem sie von Hause zu Hause ziehen, um etwas zu verdienen.

A. O Gott.

B. O Gott.

A. Möge es uns hier wohl ergehen.

B. O Gott.

A. Was haben wir?

B. Maria (denn es muß immer Jemand genannt werden) —, eine Braut wie der Mond.