Die Wöchnerin und das Kind.
Im zwölften Jahre verheirathen sich die Mädchen sehr selten, selten noch im dreizehnten, nicht mehr selten aber im vierzehnten Jahre. Es ist daher keine Seltenheit, daß das Weib im fünfzehnten Lebensjahre gebiert.
Nachdem die Frau geboren, ißt sie die ersten drei Tage nichts, als Hühnerbrühe ohne Salz und Schmalz. Zum Getränke erhält sie mit Zimmet versetztes Wasser oder auch ein wenig Wein, welchen jedoch die Mohammetanerinnen, in Gemäßheit ihrer Religionsbegriffe, nicht bekommen. Nach Verfluß der drei ersten Wochentage geht die Kindbetterin zu einer kräftigern Nahrung über. Sie genießt dann nicht bloß die Brühe, sondern auch das Fleisch vom Huhn; Andere essen wohl abwechselnd das Halsfleisch des Lammes.
In den ersten sieben Tagen wäscht die Wöchnerin ihre Hände nach dem Essen nie mit Wasser, aber mit Wein. Gehört sie der Mittelklasse, so steht sie am siebenten Tage vom Bette auf, die reiche nach vierzehn Tagen. Der Reichthum ist da nicht zu beneiden, wo er den Menschen länger in Fesseln schlägt. Allgemein herrscht die Sitte, daß die Wöchnerin nach dem Aufstehen das öffentliche Bad, und unter den Christen zugleich, daß sie die Kirche besucht. In jenem reibt man, zu Stärkung, in den Körper ein scharfes Mittel. Im vierzigsten Tage wird das Bad wiederholt.
Sobald das Kind ans Licht der Welt gelangt, wird seine Nabelschnur mit einem Faden unterbunden, abgeschnitten und die Schnittfläche auf der Kindesseite mit einer Wachskerze gebrennt. Darauf badet man es im lauen Wasser, um es zu reinigen. Hat das Kind drei Tage seines Lebens zurückgelegt, so wäscht man das Zahnfleisch und die allgemeinen Hautbedeckungen mit Salzwasser oder mit Wein, der mit Wasser verdünnt wurde, um einen guten Geruch mitzutheilen. Sonst wird bloß alle Wochen einmal das Gesicht und der Körper vom Nabel bis zu den Füßen gewaschen. Ja es gibt Mütter, welche ihr Kind ein halbes Jahr ungewaschen lassen.
Zur Bekleidung dient eine Binde, in welche der Körper so gewickelt wird, daß die Arme an der Seite des Körpers in ausgestreckter Richtung bleiben. Ein Schleier deckt das Gesicht. Die Einwickelung (Einfatschung) dauert vier Monate. Sodann flattern die Röckchen um das Kind, und manchen Knaben schmückt bei Zeiten über der kleinen, anschließenden Mütze der Turban. Als eine ausgezeichnete Zierde sah ich um den Fußknöcheln eines Kleinen rothe Bändchen mit mehreren Schellen.
Zur Nahrung erhalten die Kinder die Milch ihrer Mutter, manche zwei bis drei Jahre hindurch. Es ist bemerkenswerth, daß die Jaffanerin das Schnüren des Oberleibes nicht kennt. Solches mögen die gepriesenen, geschnürten Zierfräulein Europens beherzigen, welche ihr besseres Gefühl nicht befragen, ob sie Hoffahrt mit demjenigen treiben dürfen, was Gott zu einem ganz andern Zwecke erschuf. Wenn die Jaffanerin außer Stande ist, Milch von der Mutterbrust darzureichen, so behilft man sich wohl auch mit einer Amme, oder man streicht das Honig- und Granatsüß in den Mund des Kindes. Sogenannte künstliche Nährung aber, wie mit Kuh- oder Ziegenmilch, findet nicht statt. Daraus allein schon ließe sich die große Sterblichkeit der Kinder erklären.
Zum Sauglappen, als Beschwichtigungsmittel, nimmt keine Mutter die Zuflucht; im beßten Falle flößt sie ein wenig Honig in den weinenden Mund. Hingegen scheint die Wiege im Ansehen von etwas Unentbehrlichem zu stehen. Die Reichen haben eine eigentliche Wiege, wie bei uns. Die Mittelklasse spannt zwei Schnüre unter der Zimmerdecke aus, welche ein Leintuch aufnehmen. Auf dieses wird das Kind, wie auf eine Hängmatte, gelegt, und will man es schaukeln, so setzt man die eine Schnur, die durch ein Zwischenstäbchen von der andern ferne gehalten wird, in Bewegung. Die arme Klasse bedient sich einer Vorrichtung, die einer großen, ebenen Wagschale gleicht. Sie wird, wie ein Käfich, an der Decke des Zimmers oder sonst in der Höhe aufgehängt.
Mit Säftchen führt man das Kind nicht ab, noch schneidet man dessen Zungenbändchen ein. Der Schulmeister am Hospiz stutzte gewaltig, als er inne wurde, daß wir gelöste Zungen hätten. Das Zahngeschäft geht nicht sehr leicht von statten. Zur Erleichterung desselben wird gar nichts vorgekehrt, und viele Kinder sterben während dieser Lebenszeit. Die fratt gewordenen Stellen wäscht man nicht ab, sondern man behandelt sie mit einem Stoffe, welcher im Arabischen serakûn heißt, mir aber nicht genauer bezeichnet wurde. Bei der hinkenden Reinlichkeit darf man sich wundern, daß diese Krankheit nicht viel hartnäckiger und qualvoller auftritt. Gegen die Mundschwämmchen gebraucht man die Asche von einem Knochen so, daß der mit Speichel benetzte Finger sie auffängt, und damit die kranken Stellen im Munde reibt.