Es ist nicht in Ferne meine Absicht, das Gefühl der Theilnahme mit meiner Schilderung zu beleidigen. In dem Rührenden fand ich, vom Hause aus mit andern Sitten, so viel Possirliches, daß ich mich hin und wieder des Lachens nicht erwehren konnte. Es verfehlt auch nicht die Feuersbrunst, ungeachtet ihrer betrübendsten Folgen, auf das Gemüth einige angenehme Eindrücke im Augenblicke hervorzubringen, da das Element in aller Pracht seiner Farbe und in seiner siegreichen Ungebundenheit gegen den Himmel emporlechzet.

Weiber, seid ihr nun die Erbinnen der uralten Sitten? fragte ich sie im Gedanken. Das Schauspiel dürfte vielleicht alterthümlicher sein, als der Sphinx, jener Riese bei Memphis. Die Verfasser der alten heiligen Urkunden mochten so oft Zeugen ähnlicher Auftritte gewesen sein.

Zuerst wußte ich das Klageschrei nicht zu deuten; später aber erfuhr ich, daß Mütter ihre Söhne, Weiber ihre Männer, Schwestern ihre Brüder beklagten, weil die dem Familienschooße Entrissenen sich auf die Laufbahn des Kriegers werfen mußten. Ich besorge inzwischen, langweilig zu werden, weil ich das alte Trauerlied auf die Kriegsknechte wieder anstimmte. Ich verspreche mir jedoch durch das Langeweilen den Nutzen, daß die wiederholten bösen Einschreibungen neuen Kriegsvolkes sich um so lebhafter vor die Seele stellen, und daß die nunmehrige peinliche Lage der Syrier um so ernster sich vergegenwärtige. Die Mannschaftsaushebungen befleckt eine Grausamkeit, die Ihresgleichen sucht. Manchmal werden alle Mehrjährigen männlichen Geschlechtes aus einem Hause weggeräumt. Wer wird hinter dem Pfluge gehen? Wer wird die Stütze einer alten Mutter sein? Was für eine Zukunft thut sich vor der militärischen Gewaltherrschaft auf? Die Mütter und Schwestern, denen die Anhänglichkeit an die Ihrigen zur Ehre gereicht, klagen nicht umsonst so laut, so rasend; denn ist der Ausgehobene einmal Soldat, so bleibt er es sein Lebenlang, wofern ihn nicht eine Laune des Gewalthabers entläßt. Auch die Weiber werden mit Recht klagen, wenn ihnen die Hoffnung abgeschnitten wird, den Mann begleiten zu können, mit welchem nicht mehr, als ein Weib ziehen darf. Das ist freilich nach christlichen Begriffen genug, und hierin erscheint die Unbarmherzigkeit wirklich in einer viel mildern Gestalt. Uebrigens gestattet der Herrscher offenbar nicht aus edeln Beweggründen dem Krieger sein Weib, sondern aus dem frostigen Grunde, damit aus altem Militär junges werde. Bereits schon bei einem andern Anlasse wurde darauf aufmerksam gemacht.

Ibrahim-Pascha.

Er ist unstreitig der größte jetztlebende Feldherr unter den Osmanen. Das Schicksal verlieh mir die Gunst nicht, ihn zu sehen, obschon er sich in Syrien aufhielt. Ich beschränke mich darauf, Einiges aus ziemlich glaubwürdiger Quelle nachzuerzählen.

Ibrahim besitzt ein sehr fröhliches Gemüth. Er lacht beinahe an Einem fort. Die Franken hat er lieb; wenigstens überhäuft er sie mit Beweisen von Freundlichkeit. Gründliche Kenntnisse im Militärfache gehen ihm gänzlich ab, und Unterrichtetere schreiben das Kriegsglück hauptsächlich dem französischen Abtrünnigen Seve oder Soliman-Pascha zu, welcher selbst von Mehemet-Ali vorgezogen werden soll. Immerhin zeichnen Ibrahim Geistesgegenwart, kluge Benützung der Umstände und persönlicher Muth aus. Voran in Anführung der Schlachten, befeuert er durch seine Erscheinung den Soldaten, an den ihn das Band gegenseitiger Liebe knüpft. Indessen wußte der Feldherr dieses Band bisher nicht so fest zu schürzen, daß er dem Araber höhere Offiziersstellen anvertrauen dürfte, die hinfort von Türken oder Ausländern besetzt werden. Als auf einem Feldzuge eine ziemliche Anzahl Soldaten vor Durst starb, und als ihm dann der Fund jenes unentbehrlichen Lebensmittels glückte, das man beim Mangel nicht minder hochschätzt, als beim Ueberflusse geringschätzt oder verwünscht, so reichte er persönlich den Uebriggebliebenen den Labungstrank.

Diesem milden Zuge reihe ich zwei grausame gegenüber. In Alexandrien erhob sich ein Sturm mit seltener Macht. Eine dort vor Anker liegende Fregatte litt Noth. Der Hauptmann, in der Voraussicht, daß sie auf der Rhede zu Grunde gehen würde, steuerte in den Hafen. Ibrahim beschied den Fregattenhauptmann vor sich. Erst wälzte er den Vorwurf auf ihn, daß er ohne Befehl von der angewiesenen Stelle sich entfernte, dann fügte er hinzu, daß er sich dem Schiffbruche und der Lebensgefahr hätte preisgeben sollen, und auf das hin schlug er sogleich dem Offiziere mit höchsteigener Hand den Kopf ab. Im Abendlande würde freilich Jemand wenig Herzen erobern, wenn man ihm nachsagen müßte, daß er oberster Feldherr und Henker zugleich sei.

Eine andere Handlung legt kein geringeres Gewicht auf den grausamen Karakter Ibrahims. Ein Engländer zeigte ihm in Syrien eine ausgezeichnet schöne Flinte. Ibrahim wollte ihre Güte erproben. Er ließ sie laden, und da eben ein Araber am Hause vorüberging, so trug er kein Bedenken, auf ihn zu zielen. Puff! der Unglückliche fiel todt nieder, und der Pascha ermangelte nicht, die Flinte zu preisen.