Hinter dem Handwerksmanne jene drei Wände von Mauer mit der offenen Seite und dem Thürverschlusse gegen die Gasse, mit dem platten Dache von Holz müssen ja das Audienzzimmer sein, welches er nur zur Seltenheit betritt. Denn — er hockt mit diesem Raume zwar auf gleicher Höhe, aber auf einem Mauervorsprunge und unter einem Vordache, vielleicht auch damit er mit seinen Kunden leichter verkehren könne. Wie mag den Glücklichen ein Anderer beneiden, dem bloß von außen an einer Bude ein kleiner obdachloser Winkel zu Verrichtung seiner Kunst vergönnt ist. Zu einem buchstäblichen Winkelhandwerke verurtheilt, begrenzt sich die Handthierung des armen Teufels einzig auf Zerschneidung und Zerschnitzelung des kundschaftsweise anvertrauten Rauchtabaks, und für einen Piaster schneidet er ein ordentlich Schock.

Wenden wir uns wieder zu dem Tabakschneider in der Bude. Es sind bei ihm so wenig Artikel ausgekramt, daß er sein Gedächtniß damit nicht überladen darf. Haufen von unzerschnittenem und zerschnittenem Tabak liegen unordentlich herum. Eine Wage mit messingenen Schalen und einem hölzernen Balken lauert auf den Käufer. Damit aber den Verkäufer selbst das Warten nicht verdrieße, schneidet er für sich — und Andere Tabak in gar hübschen Nadeln. Ein der Länge nach gespaltenes, ziemlich großes Rohr oder Halbrohr dient zur Aufnahme des Tabaks. Jenes ist mit Eisen gerändert, wo das Schneidemesser hart vorbeifährt. Letzteres, auf einer Seite so befestiget, daß es mit geringer Mühe herab- und hinaufläuft, ähnelt in den wesentlichsten Beziehungen unserem Schneidemesser mit der Vorrichtung dazu, wie selbes die Apotheker zu Zerschneidung von Arzneien, z. B. von Wurzeln, und die Liebhaber des Tabaks zu anderem Behufe gebrauchen. Noch ähnlicher, als unserm Schneidemesser der Apotheker ist es dem Schneidestuhle, mittelst dessen der Häckerling bereitet wird. Drückt der morgenländische Tabakschneider mit der Hand das ungeschnittene Kraut im Halbstiefel wohl zusammen und ein wenig über den Rand, so schiert er mit dem herunterschwirrenden Messer gleichsam eine Scheibe ab, die, sogleich in viele Schnitzel zerzottelnd, auf eine Schilfdecke zu Boden fällt.

Der Nargilebediente; die Rauchvirtuosität.

Von den vielen Handwerkern, welche dem Abendlande angehören, dagegen im Morgenlande vergebens gesucht werden, will ich bloß den Kunstgärtner (im strengeren Sinne des Wortes) nennen. Ein Deutscher, dessen erwähnt ward, that sich für einen Gärtner aus, und kannte wirklich einige Gewächse nach ihren lateinischen Namen. Hier aber beklagte er seinen Beruf, weil die Natur ohne Kunsthilfe Alles viel schöner hervortreibe, als es der erfahrungsreiche Gärtner Europas den dortigen Anlagen und Treibhäusern abdringe.

Dem abendländischen Kunstgärtner hält indessen der Morgenländer einen andern Berufsmann entgegen, welchen gerade das Abendland nicht aufzuweisen vermag; ich meine den Nargilebedienten, den Nargileträger. Argile oder Nargile heißt eine Tabakspfeife mit einer Tasche voll Wasser, durch welches der Rauch gesogen wird. Mit drei bis vier Nargilen geht der Gewinnlustige auf der Gasse umher, und erhascht er einen Liebhaber, so stopft er ihm die Pfeife mit Tabak und setzt überhaupt Alles so in Bereitschaft, daß der Rauchlüstling bloß das Mundstück der Pfeife zwischen die Lippen und die Hand in den Geldbeutel schieben darf.

Kaum sättiget man sich an diesem Auftritte, so schreitet ein wohlhabender Morgenländer stattlich daher; schweigsam und treu wie der Schatten folgt ihm ein schwarzer Sklave, welcher die lange, brennende Pfeife seines Herrn trägt. Nun mache ich einen Besuch. Alsbald füllt der Diener oder gar die Dame des Hauses die mit einem bernsteinernen Mundstücke versehene Pfeife und raucht sie an, um sie mir darzubieten. Ich wische das Mundstück hübsch fein ab, und rauche mit der größten Bequemlichkeit. So reicht auch der Diener seinem Herrn immer die angerauchte Pfeife.

Im Rauchen sind die abendländischen Christen, im Vergleiche mit den Morgenländern, gleichsam Stümper. Es ist übrigens für den Reisenden eben nicht unumgängliche Nothwendigkeit, daß er mitrauche. Ich lernte zwar das Rauchen erst auf der Reise, verzichtete darauf jedoch öfter längere Zeit.

Der Kaffeeröster und Kaffeezerstößer.