Ich trete in ein großes Gewölbe. An der Wand brennt es in einer Höhle. Ueber dem Feuer steht schief ein irdenes, großbäuchiges und ziemlich enghälsiges Gefäß zur Röstung des Kaffees. Dieser wird von einem Manne mit einem Stäbchen fleißig umgerührt, bis er gar ist. In einer offenen Pfanne würden während des Röstens offenbar mehr kräftige Bestandtheile sich verflüchtigen.

Neben dem Herde nimmt der Mörser seine Stelle ein. Eine runde, tiefe Aushöhlung des Fußwerkes von einer alten Marmorsäule ist er — fest ummauert. Ein Mann beschäftigt sich eigens mit dem Zerstoßen oder Zermörsern des Kaffees. Er handhabt eine große, eiserne Mörserkeule, die durch ihren schweren Fall zermalmt. Dazu musizirt der Arbeiter stöhnend auf echt arabisch bei jedem Plumps. Hat der Kaffee eine mehlichte Beschaffenheit erreicht, so wird er durch ein Sieb gebeutelt. Das Seihsel fällt auf einen platten, großen, fein geflochtenen Strohteller; das Ueberbleibsel im Siebe wird in den Mörser geschüttet, um es aufs neue zu zermalmen. Den letzten Ueberrest betrachtet der Araber als Auswurf; allein leicht kann man hier übervortheilt werden. Der betrügerische Araber rechnet zu jenem gerne solchen Kaffee, den er noch gar wohl benützen kann.

Ein Italiener von meiner Bekanntschaft kauft, um Einiges zu ersparen, unzerstoßenen Mokkakaffee. Er bringt ihn in die Werkstätte. Er muß warten; denn so eben wird für einen andern schon Dastehenden Kaffee geröstet. Nun geht es an den seinigen. Es faßt das irdene Gefäß und bald der Mörser den Kaffee, und für die Röstung und Pülverung bezahlt er eine Kleinigkeit. Fein wie Mehl ist der zermörserte Kaffee.

Der Baumwollereiniger und der Schilfdeckenweber.

Die Baumwolle wird in der Nähe von Jaffa, aber nicht auf einem Baume, wie das deutsche Wort zu allgemein sich ausdrückt, obschon es auch Baumwolle gibt, sondern an einem wenige Fuß hohen, strauchartigen Gewächse gewonnen. Genug, daß sie gedeiht, und zu den nützlichsten Erzeugnissen des Erdbodens gezählt werden darf.

Die Baumwolle beschäftigt manche Hände, bis sie gereiniget ist. In einer Werkstätte setzte Einer ein größeres Rad mittelst eines Tretschemels und ein kleineres mit der einen Hand an der Kurbel in Bewegung. Diese zwei Räder trieben zwei Walzen, die nahe über einander und in ungleicher Richtung liefen. Wird die durchsämte Baumwolle mit der noch freien Hand in die Walzenfuge gehalten, so erschnappt diese den wollenen Theil und läßt ihn auf der andern Seite fallen; auf der nähern Seite bleiben die Samenkörner zurück. Selbst auf der Neige des Wintermonates verrichteten in Ramle das Geschäft der Samenabklappsung beinahe nackte Männer.

Ich entfernte mich vom Baumwollereiniger, und wollte lieber dem Schilfdeckenweber zuschauen. Der Webstuhl ist sehr niedrig, kaum über einen halben Fuß hoch vom Boden, und von Baum zu Baum sind als Kette Schnüre angestreckt. Abwechselnd stehen zwei Schnüre sich nahe, um einen Zwischenraum von beiläufig drei Zoll offen zu lassen. Der hölzerne Kamm mit so viel Bohrlöchern, als Kettenschnüre sind, hängt nicht, sondern lastet auf den letztern, nachdem die Schnüre durch den Kamm gezogen worden. Da das Gewebe, nämlich die Decke, in der Breite etwa fünf Fuß mißt, so weben zwei Burschen einträchtig neben einander, ein jeder die Hälfte der Breite, während jedoch der eine allein den Eintrag mit dem Kamme zuschlägt. Beide hocken vor diesem Werkzeuge auf dem Gewebe, und in dem Maße, daß sie weiter weben, rutschen sie vorwärts, wie unsere Kinder, welche noch nicht gehen können. In der Nähe der Weber liegt der Schilf, bei dem einen unter den Füßen. Behende spalten sie ihn mit dem bereit gehaltenen Messer. Das Schilfband ziehen sie mit den drollig davon hüpfenden Händen abwechselnd über und unter zwei Schnüre des Aufzuges durch, auf gleiche Weise das nächste Band, nur gegenüber und schließend, u. s. f. Von den Schilfbändern werden die Schnüre ebenso umschlungen, wie beim Flechten der Körbe von den Weiden die Stäbchen. Die Burschen weben mit großer Fertigkeit, und haben sie zugewoben, so müssen die Schnüre durchschnitten, und allemal die zwei näher stehenden zusammengeknüpft werden, damit sie den Schilf da festhalten, wo er im Weben sich kreuzt.

Man macht von den Schilfdecken ungemein viel Gebrauch. Unter Zelten, in Häusern und Kirchen deckt er die Erde oder Steine. Der Betende zieht zuerst seine Schuhe aus, und dann wirft er sich in dem Tempel auf einer Schilf- oder Strohdecke nieder. Betet unter freiem Himmel der Mohammetaner, sein Antlitz gegen Mekka gewendet, und hat er gerade eine Schilf- oder Strohdecke bei der Hand, so breitet er sie, oft unter seinen nackten Füßen, aus.

Der wandernde Schiffer und Kinderspiele.

Ich konnte zuerst nicht klug werden, als ich etwas erblickte, das aus Schwarzem herausragte und im Meere herumzappelte. Es war ein bis an die Lenden entblößter Schiffer. Er saß in einem so kleinen Kahne, daß dieser dem Manne mit ausgestreckten Beinen kümmerlich Platz gestattete. Er ruderte mit keinen eigentlichen Rudern, sondern mit kleinen Plattschaufeln. Er hielt diese in den Händen fest, je eine Schaufel in einer Hand, und platschte damit in das Wasser, wie, man wird mir die Vergleichung erlauben, der schwimmende Hund mit den Vorderpfoten. Das Schiffchen fuhr ziemlich schnell von einem größern Schiffe zum andern, von Riff zu Riff, und wenn es in den Grund lief, so trug der Schiffer es gleich weiter, bis er es wieder flott machen konnte.