Da ich von einer Unpäßlichkeit immer nicht hergestellt ward, so unterwarf ich meine Ernährungsweise der ernstesten Prüfung, deren Ergebniß war, daß ich anfing, die Ursache meiner Nichtwiedergenesung in der Fastenspeise zu suchen. Ich sann auf Abhilfe der magern Kost. Auf meine der Gesundheit geltenden Gründe erlaubte mir der Pater Superior mit aller Bereitwilligkeit, was ich wollte; bloß eine Kleinigkeit fehlte, nämlich der Koch vollführte nicht. Ich wünschte unter Anderem Milch. Ich wendete mich deswegen an den Pater Superior, an den Koch, an den Konsul Damiani, an den Schulmeister der Maroniten, an einen Italiener, dem ich empfohlen war, und der sie täglich trank, — ich goß nur Wasser ins Meer. Schienen die Einen vergeßlich zu sein, so war die Vergeßlichkeit in der That eine milde und tröstliche im Gegenhalte derjenigen des Kaisers Klaudius, der Viele dem Tode überlieferte und einen Tag nach der Hinrichtung sie wieder zu Tische und zum Spiele einlud.

Zwei Tage aß ich freiwillig nichts, als Brot und im Wasser gekochten Reiß, ohne Oel, ohne Butter, ohne Salz, kurz, ohne eine Zugabe; Wasser diente als Getränke. Besorgt endlich für meine bevorstehende Seereise bei dieser entkräftenden Nahrung, ging ich zu Markte, verschaffte mir ein Huhn, und so wurde mir nach Belieben gekocht. Ueberdies kaufte ich Butter und Honig, — und Brot, Butter und Honig auf einander schmeckten mir eben so köstlich, als einst auf den Kindsbeinen, wenn ich diesen Leckerbissen aus der freigebigen Hand meiner alten Großmutter empfing.

Indessen würde man sich um die jaffanische Butter, neben der vorarlbergischen und schweizerischen in der Gebirgsgegend, schwerlich reißen. Wer leicht Ekel empfindet, isset sie nicht. Sie sieht schmutzig aus, und die Haare sind in solcher Menge in sie geflochten, als wäre es mit Fleiß geschehen, damit sie nicht von einander falle. Dessen ungeachtet schmeckt die Butter nicht übel, einzig etwas säuerlich, keineswegs aber ranzicht. Sie wird auf dem Markte feil geboten. Ein Verkäufer hatte einen hohen, unordentlich gekneteten Haufen auf dem Teller. Zum Zeichen meiner Kauflust streckte ich ihm einen Piaster dar. Gleich ergriff er die kupferne Schalenwage, krabbelte mit den ausgebreiteten Fingern flink von der Butter, wog ab und ich bekam, nackt von Hand zu Hand, mehr, als ich erwartete. Ich vergesse nicht, beizufügen, daß der Verkäufer ein Mohammetaner war. Wäre er ein morgenländischer Christ gewesen, ich würde wahrscheinlich minder erhalten haben. Ich muß dieser Vermuthung an der Fackel einer neuen Thatsache leuchten. Beim Einkaufe des Mundvorraths sah ich mich um Zwieback um. Der käufliche aus Zypern ist sehr gut: kleine, runde, etwa zwei Daumen dicke Brote, oben mit fünf Punktirungen. In einer Bude, in die ich zufällig trat, machte man das Anerbieten, mir sogleich Zwieback zu holen. Die Leute in der Bude benahmen sich mit so vieler Artigkeit, daß sie mir Zutrauen einflößten; sie bezeugten auch Freude darüber, daß ich ein Christ, und zwar kein griechischer sei. Sie forderten für eine Ocke drei Piaster. Wirklich kaufte ich sieben Ocken. Nach dem Kaufe fragte ich gelegentlich vor den mohammetanischen Buden. Keiner verlangte mehr, als drittehalb Piaster. Der Abendländer erzählt mit Schmerz eine solche Thatsache, die einen so auffallenden Unterschied zwischen Christen und Moslim herausstellt.

Honig findet man in einigen Buden. Man bewahrt ihn in einem enghälsigen Kruge, schöpft ihn mit einem hölzernen Löffel, und wägt ihn auf der Schalenwage. Zuerst, um eines kleinen Versuches willen, legte ich ein Kohlblatt auf meine Hand, und begehrte für wenige Kreuzer. Ein Mohammetaner wies mich ab. Ein Anderer weigerte sich Anfangs, später aber deutete er mir, daß ich, weil ich mit keinem Gefäße versehen war, die Hand recht hohl machen solle. Als in der Folge für sieben bis acht Kreuzer (R. V.) eine Achtelsmaß (ein halber Schoppen) Honig in mein Trinkglas gewogen wurde, konnte ich mir leicht erklären, warum der erste Mohammetaner an mich keinen verkaufen wollte; denn für das Geldstück, das ich ihm zeigte, würde mir mehr gehört haben, als ich hätte versorgen können. Der Honig, wenn auch ein wenig trübe, schmeckt gut.

Ich lese die Bibel.

Was mir ein hohes Vergnügen gewährte, war das Lesen in der Bibel, während ich eben auf dem Schauplatze stand, worauf dieselbe so oft führt; denn Joppe ward zu Judäa gezählt. Die Patres gaben mir eine Vulgata ohne irgend einen Anstand. Ich würde zwar Luthers ausgezeichneter, kraftdeutschen Uebersetzung den Vorzug eingeräumt haben; allein eine solche war nicht aufzubringen, und unter den lateinischen Uebersetzungen verdient die Vulgata gewiß eine Ehrenstelle. Das Latein des ehrwürdigen Hieronymus erhebt sich weit über das Mittelmäßige.

Das alte Testament enthält einen so großen Reichthum an Eigenthümlichem aus dem Leben der Israeliten, daß es ein wahres jüdisches Volksbuch ist. Es überrascht insbesondere mit der Schilderung von Sitten und Gebräuchen. Hier, wo ich als Reisender die Aufgabe, diejenigen der heutigen Einwohner im alten Lande der Juden zu beobachten, nach Maßgabe meiner Zeit und Kräfte löste, fühlte ich in mir gleichsam einen Drang, zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart Vergleichungen anzustellen, wofür mir der süße Lohn zu Theil ward, in der Bibel so treuen Zeichnungen zu begegnen.

Ein Pater sagt, ich werde des Teufels.

Der Umstand, daß ich nicht in die Messe ging, schien die sechs Mönche, welche das Hospiz bewohnen, unangenehm zu berühren. Die Stimmung derselben war mir bald nicht mehr zweifelhaft. Es fragte mich nämlich eines Mittags der Koch, Frater Emanuel, ob ich die Messe angehört hätte. Ich antwortete: Nein. Der Eifer wimmelte in seinen Händen, und ich merkte ihm an, daß er es darauf anlegen wollte, mich recht auszuholen. Ich fertigte ihn kurz mit den Worten ab, daß ich nur auf lateinisch in religiöse Gegenstände mich tiefer einlassen würde.