Ich sah einen Küstenstrich von Karamanien. Veränderlicher Wind und Wetter trübten hin und wieder meine gute Laune.

Den 16.

Wir segelten einem Vorsprunge des Taurusgebirges, dem Kap Chelidonium, nahe, und verloren die Küste von Kleinasien nie aus den Augen. Die Fahrt ist von nun an mehr derjenigen auf einem Landsee zu vergleichen. Schon sind wir von Jaffa gegen den Nordpol vier Grade vorgerückt, und man konnte auch wirklich einige klimatische Verschiedenheit wahrnehmen.

Sonntags den 17.

Wir segelten vorüber an Castelori und andern Ortschaften von Natolien. Vor dem nahen, hohen Gebirge der alten Lykier träumte ich mich auf einige Stellen des Vierwaldstätter-Sees in der Schweiz, so ähnlich war der Ausblick. Die Fahrt gewährt in der That recht viel Unterhaltung. Die Umrisse der schweizerischen, wie dieser Berge sind mit ausnehmender Kühnheit gezeichnet. Wir bewundern einen solchen Zug auch an Kunstwerken, — wie einen vorhängenden Fels, so den Thurm von Pisa. Hingegen sind die Berge um Jerusalem träge Massen, Kegel oder Halbkugeln, gleichsam nur gut zum Faulenzen für das Auge.

Ein frischer Wind jagte uns so muthig vorwärts, daß wir schon vor der Mitte des Tages im pamphylischen Meere ein Korn, Rhodos, erblickten, und bis zum Eintritte der Nacht steuerten wir diesem Eilande ziemlich nahe. Ein Berg hatte eben einen Wolkenhut auf, als die Sonne unterging.

Ich halte nun einen Augenblick an, um meine Reisegesellschaft zu zergliedern. Ein Engländer und ein Grieche, ein Maure und ein Jude, so wie ein griechischer, schiffbrüchiger Hauptmann und seine Matrosen, das waren meine Reisegefährten.

Der Engländer, ein Geistlicher, besaß einen edeln, gutmüthigen Karakter. Ich schätzte mich glücklich, in Jaffa seine Bekanntschaft zu machen, wo er bei dem englischen Konsul, einem Morgenländer, einkehrte, allein die morgenländische Kräuter- und Hühnerküche nicht besonders rühmte. Das Französische sprach er als guter Englishman. Wenn er in der fremden Sprache redete, war mit ihm so schwer nachzukommen, als mit einer schlechten Tänzerin. Ich erzähle von ihm zwei echt britische Züge. Er wanderte durch die Wüste bis in die Nähe von El-Arysch. Jetzt vernahm er, daß er der Quarantäne sich unterwerfen müsse. Alsbald entschloß er sich zum Rückfluge nach Kairo, um über Alexandrien und Beirut nach Jerusalem zu reisen. Ein paar Male des Morgens rief ich den Geistlichen, wenn sich ein merkwürdiges Schauspiel darbot. Er hatte die Artigkeit, zu antworten, und seine Nichttheilnahme damit zu entschuldigen, daß es bei ihm Gesetz sei, in der Frühe so und so lange zu lesen oder zu schreiben. Die Gottheit hat dem Menschen ein bestimmt abgegrenztes Gebiet angewiesen, worüber er Herr und Meister ist. Man frage indessen nicht nach der geographischen Länge und Breite desselben; denn es erscheint sehr klein am Maßstabe. Es ist nun gut, wenn der Mensch in diesem seinem Gebiete, d. h., sich gewisse Gesetze vorschreibt; es ist aber nicht gut, wenn er solche in untergeordneten Dingen mit eigensinniger Strenge vollstreckt und so zum Sklaven seiner selbst hinabsinkt. Ich sah unsern Reisegenossen nicht sehr oft, weil er in das Zimmer des Schiffsherrn und ich in den Schiffsraum eingemiethet war. Letzteren Platz hatte ich einzig dem Pater Präsidenten des lateinischen Hospizium in Jaffa zu danken, weil er sich mit einem ungewöhnlichen Eifer in die Abschließung des Vertrages mischte, und jene so sehr beschleunigte, daß es mir an Zeit gebrach, zu fragen, wo ich wohl im Schiffe untergebracht würde. Doch, außer der Kehrseite, wendete die Sache auch diesmal ihre Lichtseite zu. Ich lernte so dem Schiffsraumleben auf den Puls fühlen. Hier liefere ich denn eine flüchtige Zeichnung meiner Gefährten im Schiffsraume.

Demetrius, aus Chios (Scio) und Handelsmann, hatte eine schöne Gesichtsbildung und sprach griechisch, arabisch und türkisch. Seine Umgänglichkeit ließ mich wünschen, in einer seiner Sprachen meine Gedanken mit ihm auszutauschen.