Esther dachte: »Warum soll er es nicht wissen, daß wir einander ähnlich sind wie nie zwei Menschen zuvor? –«
Und sie erwiderte ihm nichts.
Da sagte er, und seine Stimme klang seltsam bewegt: »Ja, Esther, wir sind uns sehr gleich. Und es thut gut, einen Kameraden im Leben zu wissen, zu dem die Dinge kommen wie zu uns selbst.
Maria ist anders.
Marias Heimat liegt in dieser Zeit und doch in einer höhern Welt. Zu ihr kommen die Geschehnisse schon geläutert und vergeistigt – gleichsam wie mit Engelsflügeln.
Aber alles Frohe und Leichte bedarf der Schonung. Es giebt so viele Freudenzerstörer. Sie braucht jemand, der sie schützt vor allem Schmerz – einen von uns Schweren, die in der Erde wurzeln und die Heimat in irdischen Vergangenheiten suchen. Einen von uns, die wir noch die Sehnsucht als Schmerz und Vereinsamung empfinden – und eben deshalb lieben müssen, was strahlend und leicht und erdenfern ist.
Einen von uns, dem sie Erlösung und Erhöhung ist.
Niemand kann wie Sie meine Liebe zu Maria verstehen, Esther –«
»Ja, das kann ich,« sagte Esther so langsam und leise, daß ihre Stimme klang wie ein verwehter Ton. –
Marias weißes Kleid schimmerte schon durch die Büsche –