»Ja, sehr bald,« antwortete Esther. Sie dachte: Tropfen für Tropfen verrinnt – Tropfen für Tropfen. Aber was will ich denn noch? Ist nicht jeder Wunsch zur Ruhe gegangen in jenem geheimnisvollen Glück?
Und sie fühlte, wie ihr die schwermütige Lieblichkeit des Spätsommertages zu Herzen ging – sie gleichsam heimatlich berührte.
Lothar sagte: »Ich liebe diese Zeit in der Natur mehr als irgend eine andere. Sie ist mir näher, vertrauter als manche, die ich schöner finde.«
Esther lächelte nur, wie er ihre Gedanken aussprach. Sie sagte: »Es giebt so viele Dinge, mit denen es so ist. Wir gehen vielleicht von ihnen fort, um etwas anderes über die Maßen schön zu finden – aber dann treibt es uns eines Tages doch wieder zurück zu dem, was uns heimatlich ist.«
Lothar fiel ihr ins Wort. »Und dann das – es ist das Sonderbarste: Wir wissen uns verwandt mit irgend einer fernen Zeit – einer Zeit, die lange vor uns lag. Und alles, was uns im Leben von dorther berührt, macht uns Heimweh.«
»Ja,« sagte Esther, »ich habe auch zuweilen gedacht, daß es jene Zeit ist, der wir angehören sollten. Nun glaube ich aber mehr noch, es ist die Verlassenheit, die auf allem Zurückgebliebenen aus fernen Zeiten liegt, es ist die Vergangenheit an sich, die so bethören kann.
Dort suchen wir uns dann eine Heimat, wohin wir alle erträumte Schönheit tragen können – eine Heimat, die sie mit uns vor den Menschen verschweigt.«
Esther sprach nicht weiter und fühlte nun seinen Blick. Sie hörte auch seinen Atem wie in Erregung tiefer gehen, sah aber nicht auf zu ihm.
»Esther – Sie sagen das – was in mir ist –«
Seine Worte waren zögernd, wie eine Frage gesprochen.