Dann ging sie durch die grauen Gassen mit dem Pflaster von Anno dazumal und zuletzt die kleine Anhöhe hinauf.

Ja, ganz versteckt lag das Haus, in dem Esther wohnte. Eine hohe, breitbuchtende Ligusterhecke umsperrte den Garten.

Maria kam über den Weg ihr entgegen. Maria war schön und strahlend – auch in ihrem Mißmut. Maria nahm alle Herzen hin, und selbst die Baumwürzelein freuten sich, wenn sie vom Kleidersaum der Allerschönsten gestreichelt wurden. Ja, Maria hatte ein gesegnetes Angesicht.

»Ist er noch nicht bei Dir?« frug Esther die Schwester.

»Oh, er wird schon kommen.«

Und da war er auch schon.

Erst gingen seine Augen zu der blonden Maria, wie das ganz natürlich war. Sie verfingen sich förmlich in ihren Blicken, sie ließen nicht los, so daß die Hände ungeleitet zu einander tasten mußten.

In Esther klang das wieder, was er fühlte in diesem Augenblick: Es mußte ihm sein, wie ein Ausruhen nach langem ermüdendem Steigen – ein Erlösungsgefühl – und Dank.

Immer wußte sie, was er empfinden würde bei all den kleinen, feinen Anlässen, in denen sich das Leben unter der Hülle der Geschehnisse abspielt. Sie besaß zu seiner die Schwesterseele – aber das wußte nur sie.

Sie erschrak förmlich, und ihr war, als hätte nun auch er ihre Gedanken begleitet, als er plötzlich die Hände seiner Braut losließ und sich nun zu ihr wandte.