Arne lächelte überlegen.

Esther dachte: Wie nur alles Feine und Unantastbare so in die Verachtung der Menschen geraten kann – nur weil es vielleicht zu lange schon ein mißverstandenes und mißbrauchtes Ideal gewesen sein mag? – Und sie dachte weiter: alles, woran die Menschen eine Zeitlang mit ihren Gedanken rühren, wird so schmutzig und verbraucht, daß es ihnen zuletzt selbst zum Ekel und zum Wegwerfen ist. Und dann kommen ein paar Nachzügler, sammeln es aus der Verachtung heraus und machen es zu neuen und wieder verspotteten Heiligtümern. – – So dachte sie und vergaß wirklich dabei sich gegen das überlegene Lächeln zu wehren.

Doch Arne begann noch einmal: »Verzeihen Sie, aber wie läßt sich eine ›Seele‹ erkennen? Die Menschen haben edle und unedle Aufwallungen – ein Fazit läßt sich da kaum ziehen –, sie haben ansprechende und abstoßende Gesichtszüge – und oft spiegelt ein bißchen Bleichsucht eine schöne Mädchenseele vor. Der Körper ist das einzige, was sich erkennen läßt – und der erotische Instinkt ist von vornherein göttlich!«

Esther schwieg noch immer. Der junge Mann wußte alles so genau. Er sprach mit einer so verblüffenden Sicherheit, die jede Gegenrede auszuschließen schien. – So sagte sie nur noch ganz zögernd mehr für sich selbst als im Anschluß an das, was gesprochen wurde: »Ich meine, man müßte an einer Liebe, die nie die höchste Vereinigung erreichen kann oder doch will, zu Grunde gehen.«

»Wir sind alle für die Einsamkeit geschaffen,« klang da die eintönige Stimme des alten Rude hinein.

Diese Worte legten sich für den Augenblick wie eine trostverlassene Prophezeiung auf alle Anwesenden.

Eliza blickte schutzflehend von einem zum andern.

Aber da setzte die kraftfrohe, junge Stimme Arnes ein. Und er sagte so zuversichtlich: »Der Trost hierfür ist eben die Liebe – die Liebe auf Gnade und Ungnade – die Liebe um jeden Preis und über alle Unzulänglichkeiten hinaus!«

Eliza lächelte ihrem Bruder zu. Sie stand mit der Zwanglosigkeit eines unerzogenen Kindes vom Tisch auf und ging mit ihren leichten, leichten Schritten hin vor einen Spiegel. Sie sah dort lange und ernsthaft sich selbst ins Gesicht, wandte sich dann um und sagte im Ton eines Babys: »Eliza bekommt Kummerfalten von euren traurigen Gesprächen!«

»Eliza soll herkommen zu mir!« bat Arne.