Des Vaters »böse Laune« war ein nahezu geheiligter Zustand. Keinem fiel es ein, nach ihrer Ursache zu fragen – man nahm einfach die Thatsache hin, beugte sich darunter wie unter das Schicksal.

Mit finsterem Gesicht wanderte Adam Rude durch das Haus. Den größten Teil des Tages schloß er sich in dem Zimmer ein, wo das Bild seiner Frau hing – gleich einem Priester, der sein Leben im Marienkult verzehrt.

Auch zu der Verlobung seines Sohnes mit Esther hatte er erst kein Wort geäußert. Kaum wußte man, ob er wirklich verstanden hatte, bis er plötzlich bei Tisch auf eine zugleich feierliche und finstere Art den beiden zutrank.

»– und dann ist es jetzt wohl an der Zeit,« fuhr er fort, »daß man auch mich nicht mehr ausschließt, wenn alle sich du nennen.«

Er blickte zürnend um sich. Esther hatte im ersten Augenblick diese wunderliche Ausdrucksweise nicht verstanden, bis Arne über den Tisch rief:

»Der Vater möchte dich du nennen, Esther!«

Esther errötete. Sie sah Adam Rudes Blicke so unbegreiflich zornig und schmerzlich auf sich gerichtet, wurde davon ganz verwirrt und wußte keine Antwort. Sie hob nur in schweigender Erwiderung ihr Glas gegen ihn.

Eine quälende Stille wurde nur ab und zu durch Arnes ungedämmte Fröhlichkeit unterbrochen. Eliza duckte sich ganz verstört zusammen wie ein Vogel im Gewitter.

Nach Tisch ging Esther dem Alten nach. Sie sagte: »Sie sollen mir nicht böse sein, ich wollte ja so gern, daß Sie mich Du nennen – aber ich habe es lieber, wenn ich zu Ihnen Sie sagen darf.«

Vielleicht sah sie recht hilflos aus mit ihrer Bitte. Auf jeden Fall war etwas in ihrer Art, das seine Ritterlichkeit hervorrief.