Die Frau folgte Esthers Blicken, dann erklärte sie entschuldigend, er, der Sohn, wollte »das« dort haben. Und voll Groll und Verachtung: »Seit er gedient hat, ist er ja ein Deutscher!«
Der Wirt, der mit einer langen Pfeife jenseits des Tisches saß, zog die Stirn in kummervolle Falten. Er sagte: »Die dort in Berlin, die werden sich freuen, daß sie ihn herumgekriegt haben! Bei der Leibgarde ist er gewesen – so 'ne Schande!«
Esther bekam ein ganz böses Gewissen, daß sie sich nicht als Deutsche eingeführt hatte; ganz gedankenlos hatte sie noch dänisch gesprochen. Sie fühlte sich recht bedrückt im Gedanken an die warmen Filzsocken und das Wohlwollen der Wirtin, die sie immer schlechtweg »Kind« anredete, – das alles wäre der Deutschen gewiß nicht zugefallen!
Und am nächsten Morgen gar, wie die Alte gehört hatte, daß Esther auch der entsetzlichen Stadt patriotischer Verführung zureiste, gab es so viele gute Wünsche und Ermahnungen, daß Esther vor Beschämung nicht mehr die Augen aufzuschlagen wagte.
Aber sie konnte doch wirklich nicht jetzt auf einmal mit ihrer Enttäuschung herauskommen?
Und gegen Abend gelangte Esther an ihr Reiseziel.
Die Droschke hielt vor einem hohen, eingezwängten Haus, dessen Eingang in der Pracht verschiedenster Imitationen strahlte. Eine imitierte Eichenthür öffnete sich in eine imitierte Marmorhalle, die mit imitierten Gobelins und imitierter Glasmalerei ausgestattet war.
Der Hausmeister bemächtigte sich des Koffers, und in feierlich langsamer Fahrt hob sich der Lift zu seinem Endziel, der fünften Etage.
»Also hier wohnt Fräulein Schulze?«