Und dann war wieder alles wie einem andern Menschen angehörend – oder so wunderlich vereinzelt, ohne inneren Zusammenhang.
Und wieder kam eine lange, bittere und kummervolle Sehnsucht nach Eliza, dem Kind. Wie hatte sie es nur fertig gebracht sie allein zu lassen? Wenn sie schnell umkehrte? Morgen noch zurückreiste?
Ein Ruck ging durch ihren Körper: Adam Rude! – Aber das war ja Wahnsinn – Unmöglichkeit! –
Sie griff nach dem Brief, den sie in der Kleidertasche trug –
Und dann war plötzlich wieder alles Begreifen ausgelöscht – nur noch eine träge dämmernde Sehnsucht nach diesem Haus, das sie lieb hatte, in das sie hätte zurücklaufen mögen, wie eine Katze, die man fortgetragen hat. –
Und immer ging sie mechanisch weiter, den endlosen zugeschneiten Weg hinauf.
Dann kam das Gasthaus.
Sie mußte die Wirtsleute erst herausklopfen. Es waren freundliche Bauern, die sich in ihrem rauhen jütischen Dialekt nicht genug über die Ankunft einer Dame erstaunen konnten. Es schien, als gäbe es für diese Wirtschaft nichts Verwunderlicheres, als einen Gast!
Esther wurde in die Familienwohnstube geführt. Dort mußte sie sofort ein paar riesige Filzsocken für die nassen Stiefel eintauschen. Die Wirtin befahl das mit einer Autorität, die jeden Widerspruch vergeblich machte. Dann wurde ihr ein Kübel voll schwarzbraunem Thee zudiktiert.
Über dem Sofa hing das Bild des deutschen Kaisers neben einem andern, das die Photographie eines jungen Soldaten, wahrscheinlich der Sohn des Hauses, umgeben von allerlei »Scenen aus dem Soldatenleben« enthielt. Als Überschrift prangten die Worte: »Aus meiner Soldatenzeit.«