Weithin über dem Schneeland stand ein purpurner Mond.

Ein schwacher, gläserner Klang kam aus dem Dorf herüber: die Turmuhr schlug eine späte Abendstunde.

Esther ging immer langsamer. Eine schwere, herabziehende Müdigkeit erfüllte sie mehr und mehr. Sie konnte kaum mehr denken, empfing nur dumpf die Außeneindrücke, an die sich zerflatternde Reflektionen knüpften.

Neben der Straße lief ein halb zugeschneiter Graben. Da mußten im Sommer die vielen Feldstiefmütterchen wachsen – so immer zu hunderten auf einem Fleck, daß es aussah, wie ein großer, schwellender Strauß. Aber jedes Blümchen hat sein eignes ernstes Gesicht unter der violetten Haube – und wenn der Wind ja einmal durch den Graben fährt, dann reiben sie sich rischelnd aneinander, wie Kinder, die sich in die Ohren flüstern – – – –

Dicht und hoch lag jetzt der Schnee – – So ein paar Schritte zur Seite machen und sich da hinein fallen lassen – –

Kein Mensch würde wissen –

Und was ging sie überhaupt irgend ein Mensch an?

Doch – das ist ja nicht wahr –

Wie ein fremdes Heiligtum stieg die Liebe Adam Rudes vor ihr auf. Doch ihr war, als müßte sie in Ehrfurcht wegsehen. Als dürften auch ihre heimlichsten Gedanken nicht daran rühren. –

Eine ferne Sehnsucht kam über sie – kam und ließ sich schwer niedersinken auf ihr Herz –