Wie sie jetzt einen Augenblick schwieg und beifallsuchend über die verlegene Tischgesellschaft hinsah, erwiderte Fräulein von Preller mit ruhiger Liebenswürdigkeit im Ausdruck:

»Ach nein, um solche Studien zu machen, bin ich keineswegs hergekommen. Es wäre mir zu unerträglich, derartige Zustände mit anzusehen, ohne da helfen zu können.

Ich könnte mir denken, daß einen das ganz mut- und kraftlos macht für jede gewohnte Thätigkeit, wenn man einsehen muß, daß man so machtlos davorsteht.

Ich wenigstens möchte einen solchen Versuch mir nicht zutrauen.«

Doktorin Obenauf lachte dröhnend. »Das müssen Sie sich aber abgewöhnen, wenn Sie Schriftstellerin sein wollen! Man muß alles sehen können! Leute mit Nerven taugen nichts!« schrie sie, so daß die kleine Musikschülerin entsetzt zusammenzuckte.

Ehrhard, Baron von Dunkelmann lächelte überlegen.

Als keine Antwort von seiten der Angeredeten erfolgte, knüpfte Doktorin Obenauf mit einer neuen Frage an:

»Sie können gewiß gar nichts vertragen, nicht wahr?

Da müßten Sie sich mal zur Abhärtung die Bilder in einem meiner medizinischen Werke betrachten! Donnerwetter, da würden Sie schön Ihre Nerven bekommen!

Die könnten Sie nicht ansehen – und da die Fräulein Franzenius auch nicht, – das versichere ich Ihnen!«