Ihr kleines, bleiches Gesicht unter dem Spitzentuch erstrahlte förmlich bei der Vorstellung: »Fräulein von Preller – Schriftstellerin.«

Fräulein von Preller hatte ihren Platz zwischen Esther und der Ärztin bekommen.

Esther sah flüchtig auf und begegnete dunklen Augen mit einem guten Blick, die den Haupteindruck in dem etwas fahlen Gesicht machten. Der Mund war stark und tiefgekerbt in den Winkeln. Es war eine ursprünglich rohe Form, die beim Sprechen durch den Ausdruck von Grazie und Lieblichkeit veredelt wurde.

Die Doktor Obenauf nahm gleich Beschlag von ihrer Tischnachbarin.

»Sie kommen hierher, um Studien in der Großstadt zu machen, nicht wahr? O, da könnte ich Sie mit Verhältnissen bekannt machen – mit Verhältnissen –!«

Sie ließ durch einen Augenaufschlag die Art dieser Verhältnisse ahnen, fuhr jedoch, als keine Nachfrage entstand, von selbst mit einer Schilderung fort:

»Ich sage Ihnen, da kommt man manchmal in Häuser – Menschliche Wohnungen – nein! menschliche Wohnungen ist nicht der passende Ausdruck für solche Viehställe!

Denken Sie mal, da hat man kürzlich ein Gesetz erlassen, daß es verboten ist Schweine und Geflügel auf der Etage zu halten. Denn es ist vorgekommen, daß man in einem Zimmer den Hausherrn, die Hausfrau, zwei erwachsene Töchter, einen Zimmerherrn und ein Schwein einquartiert fand –

Faktisch, ich sage Ihnen: das alles ganz gemütlich in einem Zimmer!

Es lohnt sich wirklich, so was anzusehen!«