Sie sagte sich: das ist es, was ich einmal können will – Aber giebt es denn noch etwas zu wollen, wenn das geschaffen ist? Ist nicht alles damit ausgesprochen, so daß jedes, was noch kommen kann, nur ein Stammeln und Nachbeten bleibt?

Und dann kam eine kurze Zwischenzeit, die ein scheues Glück für sie brachte.

An jedem Tag ging sie zu den Schaufenstern der Kunsthandlung. Und dort stand sie vor dem Bild, das in ihr die Sehnsucht geweckt hatte, auf die freien Höhen der Kunst zu gelangen.

Immer wieder ging sie dorthin und träumte von einem kühlen, lichten Glück – von der klaren, sanften Erlösung aus bedrückendem Menschentum – durch die Kunst. –

Aber die Kunst will die freie Lust und den heißen Lebenswillen eines übervollen Herzens, und es heißt ihre Göttlichkeit beleidigen, wenn man ihr auf den Trümmern eines zerbrochenen Schicksals den Tempel erbauen will. –

Als einmal das Bild nicht mehr im Fenster hing, sank Esther müde in sich zusammen – wie beim Erlöschen des Lichts.


Noch in den ersten Tagen des März erweiterte sich Fräulein Schulzes Pension um einen neuen Gast.

Um seinetwillen hatte man eine Tafel in den alten Ausziehetisch eingefügt, und der Braten erschien fortan auf einer noch pomphafteren Schüssel als bisher und lag in einem förmlichen Wald von Petersilienkraut versteckt, der seine Blätter üppig über den Schüsselrand hängen ließ.

Ja, Fräulein Schulze wußte, was sie dem Rufe ihrer Pension schuldig war.