»Na, dann gute Nacht, mein Schatz!«
Esther hörte Fräulein Nancy in ihr Zimmer zurückgehen. – – – –
Am nächsten Morgen kam Fräulein Schulze ganz verstört zu Esther hereingestürzt.
»Ach Gott, mein liebstes, bestes Fräulein,« rief sie, »ich möchte ja nicht, daß es jemand anders erfährt, aber zu Ihnen muß ich mich nun aussprechen – sie haben es auch am Ende so dicht nebenan schon selbst gehört: Ihr Zimmernachbar ist heute früh gestorben – an einem Blutsturz – so ganz auf einmal!«
Esther fühlte, wie sich ihr die Kehle zusammenschnürte vor Mitleid und Entsetzen.
»Weiß es denn schon die Braut?« fragte sie endlich.
»Jawohl, die sitzt bei ihm und will niemand bei sich haben. Sie sagt, daß sie ausziehen will, sowie er unter der Erde ist.«
»Kann man denn nichts für sie thun?« fragte Esther mechanisch. Und dann noch einmal voll Wärme: »Besinnen Sie sich doch, Fräulein Schulze, was man da thun könnte!«
»Da kann nur unser Herrgott helfen – für mich ist dieses ganze Vorkommnis ja auch sehr peinlich – wer weiß, ob niemand deshalb auszieht,« sagte Fräulein Schulze und wischte sich mit dem Taschentuch die Augen.
»Ach nein, vielleicht ist es doch möglich,« meinte Esther, »ich will jetzt gleich vor der Malstunde einmal hinübergehen.« –