Sie klopfte an und trat auf ein rauh hervorgestoßenes »Herein!« in das Zimmer.
Es war ein ganz winziges Kämmerchen – ungleich dürftiger noch als das ihre.
Der Tote lag ausgestreckt auf seinem Bett. Er hatte ein leidensverzerrtes Christusgesicht.
Esther ging auf Fräulein Nancy zu, die ihr feindlich entgegenstarrte. Sie wagte kein Wort des Beileids zu sagen, bot nur ganz schlicht ihre Hilfe an.
»Lassen Sie mich in Ruhe,« sagte Fräulein Nancy, »ich gehe Sie nichts an, und Sie gehen mich nichts an. Das hier ist allein meine Angelegenheit.«
Esther ging still wieder hinaus. Sie traf Fräulein Schulze im Gang. »Nun,« fragte die, »haben Sie was erreicht?«
Esther verneinte niedergeschlagen.
»Ich sagte es Ihnen ja, liebes Fräulein, da kann nur unser Herrgott helfen!«
XIII
In den Straßen ging die Luft weich und wehend. Esther spürte diesen feinen, durchdringenden Geruch des einbrechenden Frühlings, und da stieg es plötzlich in ihr auf wie eine leise Neugier nach fernen, fernen, halbvergessenen Dingen.