Wie ist doch das?
Man geht an Frühlingstagen wie durch ein Feld, auf dem Erwartung und Sehnsucht nach künftigem Genießen sproßt.
Ist es wohl so? –
Aber sie – sie gehörte doch zu denen, die für sich selbst nichts mehr zu erwarten haben – denen sich das Leben geweigert hat. Zu denen, die nur noch tapfer sein wollen.
Doch der Wind streifte sie wie ein verwehter Klang der Heimatssprache.
Wie träumend ging sie von dem gewohnten Rückweg aus der Malschule ab und verfolgte die Richtung nach dem Tiergarten.
Überall standen an den Straßenecken Blumenverkäufer mit italienischen Anemonen und Mimosenzweigen, deren linder Geruch gleichsam die Luft verjüngte.
Esther trat in einen Blumenkeller und kaufte ein paar Narzissen – ihre Lieblingsblumen. Sie trug sie sinnend vor sich her.
Über den Straßen des Tiergartenviertels glänzte weißes, trocknes Licht. Aus den Gärten herüber drang üppiger Blumenduft der ausländischen Pflanzen, vermischt mit dem herben Geruch von jung keimendem Grün.
Und dann war der Tiergarten erreicht.