Ein zartgrünes, durchdringendes Licht spiegelte von den jungen Blattknospen auf den Weg herab.

Wie schön das alles war. Ja, sie wußte, daß alles das schön war, was sie umgab – aber sie vermochte es nicht zu fühlen. Eine lähmende Starrheit lag über ihrer Seele, die der alte leichtbewegliche Schönheitssinn vergeblich zu durchbrechen suchte.

Wie Scham über ein heimliches Gebrechen empfand sie diese Starrheit plötzlich. Und sie quälte sich damit und suchte nach Gründen.

Sie dachte: Wie kann es nur sein, daß eine bloße Enttäuschung, die uns nicht einmal im tiefsten traf, so zu töten vermag, während ein großer, echter Schmerz lebenschaffend wirkt?

Sie erinnerte sich, wie sie einmal das Leid getragen hatte wie ein heimliches Glück. Wie ringsum alles zu Leben erstand – geheimnisreich und tief. Wie jeder Vorgang bedeutungsvoll wurde, weil er sich in einem heißen Herzen spiegelte.

Doch dann war jener Irrtum des Fühlens gekommen, der die Lebenskraft langsam, fast unmerklich in sich sog, der sie ganz im geheimen leer und unfähig machte, während ihr schien, sie habe kaum etwas daran gesetzt. – –

Sie ging an den Teichen entlang, dann über eine Brücke.

Schwäne kamen fauchend und mit erhobenen Flügeln angeschwommen. Wie ein hellgrünes Netz über schwarz-goldenem Grund spiegelten sich die jungen Knospen im Wasser.

Esther blieb stehen, senkte den Kopf immer tiefer, lehnte sich an den Brückenpfeiler.

Da kamen ihr ein paar Worte – arme, geborgte Worte – sie hatte wohl keine eigenen mehr: Verfehlte Liebe – verfehltes Leben – –