„Und wann ist der Kahn fortgefahren? Wissen Sie es noch?“ fragte sie, „bitte, bitte.“
„Oh, so eine Stunde,“ meinte einer von den Männern.
„Dann holen wir ihn noch ein,“ jubelte Suse. „Komm, Hans, komm. Martins Geschenk soll er ja auch noch mitnehmen.“
Und nachdem die Kinder die Richtung erfahren hatten, die der Kahn eingeschlagen hatte, liefen sie davon. Die rote Brücke lag an den Grenzen der Stadt, und so kam es, daß sie das Häusermeer bald hinter sich hatten. Nur vereinzelte Villen trafen sie noch auf ihrem Wege. Doch auch die blieben binnen kurzem hinter ihnen zurück, und sie waren im Freien.
Nachdem sie eine halbe Stunde, mehr laufend als gehend, zurückgelegt hatten, blieb Hans plötzlich stehen und erklärte, er sei zu müde, um weiter zu rennen. Auch Suse hielt erschöpft im Laufen inne. —
Drei Kähne hätten sie schon angetroffen, meinte Hans, und auf keinem wäre Philipp gewesen. — Wer wisse, ob er vielleicht nicht doch auf einem gewesen sei und sie hätten ihn nur nicht erkannt. —
„Wir kennen seinen Kahn ja gar nicht,“ erklärte er. „Und wir können doch nicht nach jedem Kahn hinüberrufen, ist der Philipp dort?“
Eine Weile blieb Suse nachdenklich stehen, und dann kam auch ihr die Einsicht, daß es Torheit sei, weiter zu laufen. So schlug sie denn ihrem Bruder vor, eine kleine Rast am Wege zu nehmen. Er war’s zufrieden, und beide setzten sich unter einem Pappelbaum auf der grünen Böschung nieder, die zum Kanal hinabführte, und sie fanden es sehr schön hier. Niemand störte sie. Tiefe Stille herrschte ringsumher. Nur die Blätter der Pappel über ihnen schüttelte leise der Wind, und es hörte sich an wie Regenrauschen. Doch nur das helle Sonnengold rieselte durch die Zweige zur Erde nieder, wo die Kinder saßen.
Drüben auf der andern Seite des Kanals war eine hohe Parkmauer zu sehen. Schwere Buchenzweige hingen darüber. Eine kleine Tür führte aus der Mauer zum Wasser hinab. Sicher wohnten dort auch Leute, die ein so schönes Haus hatten wie die Granadakinder, durchschoß es Suse. Und vielleicht, vielleicht waren auch sie so lieblos und unfreundlich.
Doch sie hatte keine Zeit, diesem Gedanken nachzuhängen, denn Hans hatte bereits den karierten Beutel geöffnet und ihr den ganzen Inhalt in den Schoß geschüttet. — Apfelschnitze und Birnen lagen kunterbunt vor ihren Augen und lachten sie verführerisch an.