„Das kann ich vollständig begreifen,“ erklärte Toni. „Sie hat nur einen einzigen Sohn, also redet sie von ihm. Der ist nämlich in Afrika, müssen Sie wissen, Christine, und den größten Gefahren ausgesetzt. Jeden Tag kann ihn der Tod überraschen, und seine Mutter ist fern von ihm.“
Suse nickte.
„Toni hat ganz recht,“ wandte sie sich an die alte Frau. „Nicht wahr, du würdest doch auch in großer Sorge sein, wenn du nur ein einziges Kind hättest und das wäre nicht bei dir und stürbe womöglich eines Tages. Ich denke es mir gräßlich, wenn man nur ein einziges Kind hat und das stirbt einem noch obendrein.“
Christine nickte traurig vor sich hin und faltete ihre Hände.
Da stieß Hans seine Schwester unter dem Tisch an, und Suse biß sich auf die Lippen, erinnerte sie sich doch plötzlich, daß sie eine große Taktlosigkeit begangen hatte.
Christine hatte ja auch nur ein einziges Kind gehabt, eine Tochter, und die war gestorben in demselben Jahre, als Suse geboren wurde.
Rosel hatte den Kindern einmal von diesem Trauerfall gesprochen und zwar mit geheimnisvoll düsterer Miene.
„Gräßlich, gräßlich ist’s gewesen,“ hatte sie geflüstert, „man sollte nicht meinen, daß es solche Menschen gibt. Aber redet nicht davon. — Redet nicht davon, redet nicht davon.“ Mehr hatten sie nicht vernommen. Und die Frau Doktor, die von ihren Kindern gebeten worden war, ihnen einiges von Christines Tochter zu verraten, hatte nur gesagt: „Christine hat sehr viel Trauriges durchgemacht, aber erinnert sie nicht daran. Wenn ihr einmal größer seid, sollt ihr’s wissen.“
Und nun hatte Suse eine solche Dummheit gesagt. Schnell rief sie deshalb dem alten Mütterlein zu, um sie abzulenken: „Das Haus von den Fremdlingen mußt du auch sehen, Christine. Wir führen dich dran vorbei.“
„Und die herrlichen Granadasöhne auch,“ warf Christoph ein. „Wie die geschniegelten Äffchen auf der Stange sehen sie aus. So unmännlich,“ sagte Theobald.