Und auch die Kinder, die in der ersten Zeit viel von ihrem Besuch gesprochen hatten, dachten zurzeit nicht mehr daran. Ganz andere Dinge bewegten sie. Ursel war wieder einmal nicht gut auf sie zu sprechen. — Hans trieb nach Ursels Ansicht die Anmaßung zu weit. Er wollte Geigenstunde nehmen. — Geigenstunde. Außer dem Herrn Missionar hatte nach ihrer Ansicht kaum noch ein anderer Sterblicher die Berechtigung zu geigen. — Und nun Hans erst. — „Der werde doch nie etwas Vernünftiges lernen,“ meinte sie. — „Der Herr Edwin hingegen, der Herr Edwin! Den hätten die Kinder in seiner Jugend mal geigen hören sollen. — Das war eine Freude, das war ein Hochgenuß. Der ergriff den Bogen und die Geige und geigte herrlich wie die Engel im Himmel.“

„Wer’s glaubt!“ hatte Suse keck dazwischen gerufen. „Der Herr Edwin wird grad auch kein Orchestrion gewesen sein, wo man einen Groschen hineinwirft und dann musiziert’s und donnert’s los.“

Kaum war Suse das Wort entfahren, so sagte sie über und über rot: „Nein, das war zu frech von mir. — Ich glaube wirklich, daß Herr Edwin mehr konnte als andere Kinder.“

„Suse, du verdienst den Teller Suppe nicht, den du ißt,“ rief Ursel.

„Und ich?“ forschte Hans, „am Ende ich auch nicht? Aber denken Sie daran, Ursel, meine Eltern wollen es, daß ich Geigenstunde nehme.“

„Meinetwegen,“ brummte Ursel, „geige wo du willst, aber nicht in der Negerstube.“

Die Kinder spitzten die Ohren. Aha, da lag der Hase im Pfeffer! Sie wollte nicht, daß die von Sauberkeit blinkende und blitzende Negerstube verwohnt werde.

Zum Glück nahm sich diesmal die Pfarrfrau Hansens an und bestimmte, daß die Geigenstunde wirklich stattfände.

Zweimal in der Woche geschah’s. Dann kam Herr Schnurr, der Lehrer.

Welch ein verstruwelter, zerzauster Herr! Wie sehr stach Hans daneben ab, gar als er sich jedesmal vor der Stunde schniegelte und bügelte wie ein Offizier und mit blankgewichsten Schuhen und glänzendem Scheitel daherkam.