„Weißt du was,“ rief sie, „jetzt warten wir keine Minute mehr! Jetzt gehen wir sofort zu Resi. Warum noch lange warten! Je eher du Resi siehst, Christine, je lieber ist’s dir ja doch.“

„Nein, nein,“ wehrte da Fräulein Hirt, „ich hole das Kind allein hierher. Es ist besser, Christine macht den weiten Weg dorthin nicht. So viele Anstrengungen nach einer solch langen Reise kann sie nicht ertragen.“ —

Aber den wahren Grund, weshalb sie den Besuch Christinens bei ihren Verwandten verhindern wollte, verschwieg sie. Sie fürchtete, daß die alte Frau von ihres Schwiegersohns Tür gewiesen würde. —

Zur Zeit des Nachmittagskaffes verließen die alte Frau und das kleine Mädchen ihre liebenswürdige Helferin.

In der Cimhuberschen Wohnung wurden die beiden in größter Ungeduld von Hans erwartet, dem es gar nicht angenehm gewesen war, unter Herrn Schnurrs Lehrmethode zu schwitzen, während seine Schwester ihr Leben genoß.

Auch Toni hatte sich eingefunden, um die Doktorskinder samt ihrem Besuch zu einer Wagenfahrt abzuholen. Strahlend erzählte sie, ihr Vater habe ihr fünf Mark für das Vergnügen geschenkt, und Theobald käme gleich in einer Droschke an.

Bei der Spazierfahrt mit den Kindern konnte Christine von dem weichen Sitz des Wagens aus bequem die Wunder der Stadt erschauen. Aber so schön sie auch waren, ihre Gedanken schweiften immer wieder ab, zurück nach Frau Cimhubers Haus, wo etwas viel Schöneres und Besseres ihrer wartete. — Ihr Enkelkind.

Und nach ihrer Rückkehr aus der Stadt bekam sie das Kind endlich zu sehen. An Fräulein Hirts Hand drückte sich Resi schüchtern zur Tür herein und stand verwirrt vor ihr.

Der alten Frau liefen die Tränen über das Gesicht, und sie brachte nur mühsam die Worte hervor: „Ich bin deine Großmutter, Resi.“