Stumm sah das kleine Mädchen zu ihr auf.

Da nahm Suse sie bei der Hand und sagte strahlend: „Ja, deine Großmutter, deine liebe Großmutter, unsere gute Christine. Die haben wir alle schrecklich lieb. Sie gehört dir. — Willst du ein Stück Heidelbeerkuchen haben? Den hat Christine uns mitgebracht. Wunderschön schmeckt er. Komm, iß. — Und du besuchst deine Großmutter, gelt? Und dann werden wir Freundinnen. Und Christine hat eine weiße Ziege und ein kleines Häuschen und viele Blumen im Garten. Das wird dir Freude machen, wenn du das alles siehst.“

Aber trotz dieser sprudelnden Rede taute Resi nicht auf, und kein Wort ging über ihre Lippen. Nur ganz am Schluß ihres Besuches, als Suse sie aufforderte, doch zum Abendessen zu bleiben, schüttelte sie den Kopf und sagte ängstlich: „Nein, nein, ich muß fort, ich werde sonst gescholten.“

So wurde sie denn entlassen, nachdem sie aber Fräulein Hirt versprochen hatte, am andern Tag noch einmal wiederzukommen.

Als Resi fortgegangen, war für Hans endlich der langersehnte Augenblick gekommen, an dem er Suse über die geheimnisvollen Dinge zur Rede stellen konnte, die sich hinter seinem Rücken abgespielt hatten. Er wünschte zu wissen, was für Beziehungen zwischen Christine und dem kleinen, fremden Mädchen beständen, und warum man gerade ihn nicht eingeweiht habe.

Nichts Angenehmeres konnte Suse widerfahren, als ihn über alles, was sich während der Geigenstunde zugetragen hatte, drei lang, drei breit aufzuklären.

„Christine schien wirklich froh zu sein, daß sie eine Stütze an mir hatte,“ schloß Suse voll Eingebildetheit ihren Bericht. „Ohne mich hätte sie Resi sicher nicht so leicht gefunden.“

Sei es nun, daß diese Aufgeblasenheit Hansens Zorn entfachte, oder daß ihn das schlechte Betragen von Resis Vater Christine gegenüber wirklich empörte, jedenfalls ergriff er plötzlich den ersten besten Stuhl und stieß ihn mit einer Gebärde auf, als wolle er ihn seiner vier Beine berauben. Dazu rief er: „Den Kopf sollte man ihm abhacken, diesem Lumpen, diesem scheußlichen, gemeinen Kerl, diesem Vater von Resi.“

„Sei still, sei doch still,“ mahnte Suse, „man meint ja gerade, du seist Herr Schnurr. Nächstens springst du auch hier herum wie von Sinnen. Wer benimmt sich denn so ungebildet!“