Wenn er jetzt aber seinen Vetter und seine Cousine auf eigene Kosten zur Schule fahren ließe! Das wäre fein! Da hätte er ja Gelegenheit, sich wie der herrlichste Millionär diesen Dorfkindlein gegenüber aufzuspielen, so recht von oben herab wohltätig. Vorgestern waren die beiden Hinterwäldler ja zum ersten Male in ihrem Leben in einer Eisenbahn gefahren und gestern in einer Elektrischen.

Und da hatte seine Cousine voll Begeisterung zu ihm gesagt, man meine, man fahre mit der Elektrischen in den Himmel hinein. Eine solche Himmelfahrt konnte man ihnen ja leicht verschaffen. Noch einen Augenblick überlegte der Vetter, dann faßte er in seine Westentasche, zog drei Zehnpfennigstücke hervor und sagte: „Hört, unsere Zeit ist knapp. Wir fahren jetzt zur Schule. Ich stifte euch die Fahrscheine.“

In den Augen der Kinder leuchtete es hell auf, ein Umstand, den Theobald mit Befriedigung wahrnahm.

„Die nächste Elektrische, die kommt,“ belehrte er sie, „müssen wir nehmen! Verstanden? Und zwar im Sturm. Sonst kommen wir zu spät. Verstanden? Ihr habt also keine Zeit, die sämtlichen Reklameschilder und Aufschriften daran zu studieren, bevor ihr einsteigt. Merkt’s euch! Und dann laßt euch nicht etwa einfallen, andere Leute vor euch einsteigen zu lassen und um sie herum zu scharwenzeln und zu sagen: bitte, bitte, gehen Sie zuerst hinein und treten Sie uns ruhig auf die Hühneraugen; das ist uns eine ganz besondere Freude. — Nein, sobald ihr den Wagen seht, rennt ihr drauf los wie die Wilden, schiebt alle Leute zur Seite und schreit: Verzeihung, Verzeihung, und klettert auf die Plattform wie die Affen.“

„Sie kommt,“ rief Theobald, „jetzt drauf los.“

Und er stürmte vor ihnen her wie ein Held zur Schlacht. „Verzeihung, Verzeihung,“ schrie er und drängte die Leute zur Seite.

„Verzeihung,“ rief Hans hinter ihm.

„Verzeihung,“ sagte Suse kleinlaut.

Und den Kopf ein wenig geneigt eilte sie vorwärts, sich an Hansens Ranzen festhaltend.

Theobald schob eine Frau zur Seite, einen alten Herrn, ein Kind. — Jetzt hatte er den Griff der Elektrischen gefaßt und schwang sich hinauf. Da stauten sich die Menschen. Hans und Suse konnten ihren Vetter nicht mehr sehen. Auf der Plattform aber entstand jetzt ein fürchterliches Gedränge, ein Schieben und Stoßen, ein Reißen und Wühlen. Und eine zornige Stimme übertönte alle: „Wer schreit mir da fortwährend Verzeihung in die Ohren? Wart’ einmal!“