Die Schule dagegen war Hans lange nicht mehr so fremd wie in den ersten Tagen seines Hierseins. Lehrer und Schüler waren ihm bekannter, der ganze Unterricht vertrauter geworden.

Heute nun brachte er es sogar fertig, in der ersten Hälfte des Morgens ein paar gute Antworten zu geben und war ganz angetan von sich.

So kam die letzte Stunde, eine Naturgeschichtsstunde, heran. — Der Lehrer wollte mit den Kindern in der Besprechung des Hausrindes fortfahren, mit der er schon das letztemal begonnen hatte.

Es würde sehr lustig und ulkig zugehen, meinten einige von Hansens Mitschülern, die sitzen geblieben waren und deshalb vom letzten Jahre her über alles genau Bescheid wußten.

Herr Meyer werde nämlich einen Kuhmagen mitbringen, um ihn aufzublasen und dessen Form deutlich zu zeigen. Bei diesem Beginnen pflege er selbst so heftig mit anzuschwellen, daß die Klasse in lautes Lachen ausbreche und nicht mehr zu halten sei.

Fuchsteufelswild werde er darüber.

Nun war die Pause vorüber und die Schüler suchten ihre Plätze auf. Rechts und links von Hans saßen seine Nebenmänner schon, und zwar auf der einen Seite sein Freund Peter, ein Knabe mit einem freien, aufgeweckten Wesen. Hans und er waren gleich Freunde geworden, stammte Peter doch auch aus den Bergen, und so hatten die beiden einander gleich viel zu erzählen gehabt. — Für Peters größtes Heiligtum, eine Tierschädel- und Vogeleiersammlung, wollte Hans aus den nächsten Ferien einige neue wertvolle Stücke mitbringen.

Weniger freundschaftliche Beziehungen bestanden zwischen Hans und dem Knaben an seiner andern Seite. Dieser, Kurt, war das gerade Gegenteil von Peter, ein unaufrichtiger, verschlagener Junge, der aber trotzdem einen großen Einfluß auf seine Mitschüler ausübte. Er hatte den Fußballklub „Germania“ gegründet und schon eine große Anzahl Mitglieder gewonnen. Auch Hans sollte diesem Verein beitreten, hatte es aber bis jetzt noch abgelehnt, da ihn einstweilen in der Stadt noch viel anderes Neues lockte.

Gerade hatte der sporteifrige Kurt Hans wieder in ein Gespräch über seinen Fußballklub verstrickt, da öffnete sich die Tür, und der Lehrer, Herr Meyer, trat ein. Unter dem Arm trug er eine Pappschachtel und einige Bücher. Der Lärm in der Klasse ließ nach. Ganz still wurde es allerdings noch nicht. So recht in Respekt zu setzen wußte dieser Lehrer sich nämlich nicht.

Er ging nun auf das Pult zu und nahm dort Platz. Hinter ihm erhob sich die weißgekalkte, mit Bildern Schillers und Uhlands geschmückte Wand. Die Pappschachtel stellte er neben sich nieder. In der Klasse war noch Flüstern, Klappern, sowie Schurren mit den Füßen zu hören.