Die Frau Pfarrer schien der Sache nicht recht zu trauen, denn sie antwortete nichts, und die Unterhaltung verstummte ganz und gar.
Die Kinder waren froh, als das Abendessen vorüber war und sie sich entfernen konnten.
In Suse stand der Entschluß zu fliehen fester denn je. Und als sie mit ihrem Bruder allein war, begann sie: „Wir wollen fort, Hans. Nun willst du doch auch, daß wir fortgehen. Wir machen ja doch alles verkehrt, wenn wir uns auch noch so viele Mühe geben. Was nützt es, daß wir noch hier bleiben. Noch kein einziges Mal ist Frau Cimhuber gut zu uns gewesen und hat uns gelobt. Glaub’ mir, sie ist froh, wenn wir wieder fort sind. Und dann lassen Ursel und sie sich eben andere Kinder kommen, die viel artiger sind als wir. Und daheim sind sie froh, wenn wir kommen.“
Und stockend fuhr Suse fort: „Und schlechte Zeugnisse bekommen wir auch. Ich versteh’ immer noch nichts in der Schule, und daheim war ich immer die erste.“
„Ich versteh’ jetzt schon mehr,“ sagte Hans schüchtern.
Suse aber fuhr fort: „Du gehst aber doch mit mir fort? Gelt? Du bleibst nicht hier? Wir gehen nach Hause. Ach laß uns doch nach Hause gehen.“
Der Bruder schüttelte sein Haupt und sagte standhaft wie ein Erwachsener: „Nein, Suse, die Eltern haben gesagt, wir bleiben hier, und jetzt bleiben wir hier.“
Allein das Unglück heftete sich an des Knaben Fersen, und ehe noch der folgende Tag vorüber war, sollte sein Heldentum jäh in die Brüche gehen.
Morgens früh ging er ganz zuversichtlich zur Schule. Der Aufenthalt dort war ihm lange nicht so unangenehm, als der in Frau Cimhubers Haus, wo alles ihn vorwurfsvoll ansah, heute selbst der Negergott, der mit seinem geborstenen Haupt ein Bild des Schreckens bot.