Und in demselben Augenblick erklang auch hinter dem Knaben Lachen, und als er herumfuhr, sah er in das Gesicht des Bahndieners, der ihn schon vorhin im Wartesaal beobachtet hatte und ihm jetzt hierher gefolgt war.
„Wenn ich’s mir nicht gedacht hätte,“ rief der Mann, packte Hans am Arm und zog ihn aus dem schmalen Gang, in dem er sich zwischen Schalter und dem davorstehenden eisernen Gepäcktische befand, hervor.
Kaum sah Suse dies von der Mitte der Bahnhofshalle aus, wo sie mit ihrer Hirschtasche Wache stand, so kam sie herangestürmt wie eine Glucke, deren Küchlein in Gefahr sind, faßte ihren Bruder an der Hand und sagte ängstlichen Blickes auf den Angreifer: „Das ist mein Bruder Hans. Ich bin seine Schwester Suse.“
„So, so,“ sagte der Mann. „Also zwei Ausreißer.“
Beide nickten schuldbewußt und Suse stotterte: „Wir sind von Frau Cimhuber und von Ursel fort und wollen nach Hause nach Schwarzenbrunn. Die Postkutsche ist wohl schon fort. Wir haben den Zug auch schon verfehlt.“
„Also man weiß nicht, daß ihr fort seid?“ fragte der Mann. Sie schüttelten ihre Köpfe und standen mit niedergeschlagenen Augen da.
„Und Geld habt ihr auch keins?“ forschte er.
Sie verneinten.
„Nun, dann kommt mal mit. Nun wollen wir mal sehen, was mit euch beiden anzufangen ist,“ sagte er dann mit solch dröhnender Stimme, daß beide zusammenfuhren. Und zu gleicher Zeit packte er sie an der Hand und zog sie mit sich. Sie glaubten, ihr letztes Stündlein sei gekommen und bekamen vor Angst ganz verzerrte Gesichter.
Vor einem Raum, auf dessen Tür in roten Buchstaben „Stationsvorsteher“ zu lesen war, blieb er endlich mit ihnen stehen, öffnete und ließ sie eintreten.