„Glaub’s nicht! In der nächsten halben Stunde werden wir uns wieder sprechen!“ sagte der Vetter gleichmütig.

„Ich mein’,“ sagte Suse, „ich möchte wissen, Theobald, ob die Tante so freundlich zu einem ist, wenn sie einem guten Tag sagt, wie andere Damen?“

„Freundlich? freundlich?“ stotterte Theobald. Und seine Stimme zum unheimlichsten Flüsterton dämpfend, raunte er ihr zu: „Sie ist ja eine Art Menschenfresserin, Suse, ich hab’s dir ja schon einmal gesagt. Ihr Leibgericht sind Menschenohren. Darum rat ich dir, nimm deine Lauscher in acht. Sonst stürzt sie sich drauf, reißt sie ab und rauft sie an sich. Dann hast du Ohren gehabt und kannst dich außerdem für Geld sehen lassen, so schnurrig siehst du dann aus.“

Suse lächelte verlegen.

„So, da wären wir!“ unterbrach sich Theobald mit einemmal.

Ein großes, eisernes Parktor lag vor ihnen. In goldenen Buchstaben stand der Name der Villa als ein leuchtender Bogen darüber geschrieben. An einem efeuumsponnenen, von Ulmen überschatteten Pförtnerhäuschen vorüber ging die Gesellschaft in das Innere des Parkes. Suse zitterte das Herz bei jedem weiteren Schritt. Am liebsten wäre sie umgekehrt.

Mit einem Male sagte Toni ganz laut. „Da kommen Concha, Enrique, Sancho und Jose.“ „Die prächtigen Granadasöhne,“ setzte Theobald hinzu.

Suse fuhr zusammen.

Aber was mußten ihre Augen sehen? Dort aus der Ferne, von der blumenbewachsenen Terrasse herunter, auf der stolz wie ein Schloß die Villa Granada stand, kamen ein paar Kinder, die genau aussahen wie die Kinder anderer Sterblicher. Nichts von Federbüschen, nichts von Nasenringen, nichts von einer karierten Haut war zu sehen, wie Theobald angekündigt hatte. Und auch jetzt, als sie ganz in der Nähe angelangt waren, verwandelten sie sich noch immer nicht in Kaminfeger. — Das kleine Mädchen sah sogar wunderhübsch aus in ihrem reichgestickten Kleid.

„Guten Tag,“ sagten die Kinder mit fremdländischer Betonung, und schlossen sich ihren Besuchern an.