Beim Abschied schärfte Frau Cimhuber den Kindern mehrmals ein, ja recht artig zu sein und auf alles acht zu geben, was sie sähen.

„Ja, ja, das wollen wir,“ rief Suse, „und herrliche Sachen werden wir Ihnen erzählen, Frau Pfarrer,“ und damit eilte sie voll hundert schöner Erwartungen mit Hans die Treppe hinunter.

Bei dem Kriegerdenkmal, dem Ort der Verabredung, trafen sie mit Toni und ihren Geschwistern zusammen. Die Aufsicht über die Kinder führte Liselotte, ihre ältere Schwester, ein junges, feines Mädchen, das viel auf Anstand und gutes Benehmen hielt, dafür aber leider bei ihren Geschwistern kein Verständnis fand.

Deshalb hatte sie auch vorhin ihren Eltern seufzend erklärt, es sei ein schweres, ein hartes Stück Arbeit, die Geschwister zu beaufsichtigen. Man meine manchmal, der böse Geist fahre in sie und triebe sie zu immer neuen Ungezogenheiten an. — Einen Volksauflauf gebe es sicher, und das sei dann so peinlich für einen erwachsenen Menschen. Jedoch die Eltern hatten die Sache nicht so ernst genommen und ihren jüngeren Kindern eingeschärft, der älteren Schwester gut zu gehorchen.

Als die Gesellschaft vollzählig war, brach sie gemeinsam nach der „Villa Granada“ auf, — der Wohnung ihrer reichen Verwandten draußen vor der Stadt.

Hans und Suse sahen auf dem Wege dorthin erwartungsvoll drein. Ganz anders als ihre kleinen Verwandten, die gleichmütigen Stadtherrlein und Fräulein, denen ein solcher Besuch etwas ganz Alltägliches zu sein schien.

Besonders Suse sah man die Erregung am Gesicht an, und mit tiefem Unbehagen nahm sie selbst wahr, daß all ihre Erwartung auf ein schönes Fest kläglich zusammenschrumpfte und nur blasse Furcht zurückblieb. Sie zweifelte gar nicht mehr daran, daß alles, was Theobald prophezeit hatte, auf schreckliche Weise in Erfüllung gehen werde. Und in ihrer Verwirrung drängte sie sich schließlich nahe am Ziel an den übermütigen Vetter selbst heran, um bei ihm noch einmal Auskunft zu holen.

„Du, Theobald, sag’ mir,“ begann sie ängstlich, „ich wollte dich fragen, Theobald. Sag’ mir, wie sieht die Tante aus? Gelt, die ist nicht schwarz?“

„Nicht schwarz?“ rief der Vetter. „Ja, wie denn sonst! Vielleicht grün wie ein Laubfrosch oder blau wie ein Schmetterling, wenn sie aussieht, als wär’ sie in die Tinte gefallen! Und die Kinder erst! Die sind schwarz und weiß kariert wie Schachbretter und haben Ringe durch die Nase und Federbüsche auf dem Kopf und Bäuche wie Frösche.“

„Das glaub’ ich nicht,“ entgegnete Suse.