„Dann wärest du auch ein Protz,“ fiel Theobald scharf ein, „und das sähe dir so recht ähnlich.“
„Das machte nichts,“ entgegnete Suse keck, „wenn ich nur einen einzigen ausgestopften Löwen hätte, wäre ich schon froh. Eine ausgestopfte Giraffe wäre mir eigentlich noch lieber.“
Hans war es doch nicht recht geheuer, und auf dem Nachhauseweg sagte er nachdenklich zu seiner Schwester: „Am Ende wird’s doch nicht so schön bei Onkel Gustav, wie wir geglaubt haben.“
Suse schwieg und zuckte die Achseln; dank ihres leichten Sinnes hatte sie eine ganz andere Meinung und zauberte in den nächsten Tagen ihrem Bruder die herrlichsten Bilder über ihren Besuch bei den Fremdlingen vor Augen.
An einem großen runden Tisch sitzend, von silbernen Tellern Kuchen essend, aus wundervollen Tassen Schokolade trinkend, würden sie den seltsamen Abenteuern des Onkels lauschen, meinte sie. Zuckersüße Früchte würden phantastisch geschmückte Dienerinnen zu ihnen hereintragen.
Als der Tag des Besuches bei Onkel Gustav herangekommen war, zogen Hans und Suse sich mit größter Sorgfalt an. Und Ursel, die Ehre mit ihnen einlegen wollte, half ihnen dabei. Suse war’s zufrieden. Nachdem sie ihr Sonntagskleid angezogen hatte, steckte sie ihre Lieblingsbrosche, ein Stiefmütterchen, vor, dessen buntbemalte Blütenblätter ein kleines, zorniges Gesicht zeigten. Auf dies, ihr schönstes Schmuckstück, bildete sich Suse nicht wenig ein.
Vor zwei Jahren war nämlich ein hoher Herr — ein Prinz, wie Rosel behauptet hatte — nach Schwarzenbrunn gekommen und durch den Ort geschlendert. Und als die Schuljugend ihn verfolgte, hatte er plötzlich aus der Schar der Gaffer Suse hervorgeholt, sie betrachtet und gefragt: „Wem gehörst du, Kind? Du bist ein feines, kleines Mädchen; wer hat dir das schöne Stiefmütterchen geschenkt?“ Und dabei hatte er mit Begeisterung ihr Stiefmütterchen angesehen, ein Umstand, den Suse mit Befriedigung wahrgenommen hatte. Denn erst am Tage vorher hatte sie einen Streit mit Hans gehabt, weil er behauptet hatte, das Stiefmütterchen sehe ganz verheult und miserabel streifig aus, seit es eine Nacht lang im Regen im Garten liegen geblieben sei.
Darum durfte das Stiefmütterchen in Zukunft nicht mehr fehlen, wenn Suse sich putzte.
Hans war mit Anziehen schon längst fertig, da überlegte Suse noch immer, wo sie ihr Stiefmütterchen am vorteilhaftesten anbringen könne.
Endlich war ein Platz gefunden und nun konnten Bruder und Schwester von dannen gehen.