Suse achtete nicht auf ihn und seine Reden. In Gedanken weilte sie bereits weit weg, und wie im Nebel verschwand die Villa Granada hinter ihr.

Vor dem Zoologischen Garten verabschiedeten sich die beiden ältesten Fremdlinge von der Gesellschaft, da sie die fremden Tiere nicht interessierten, wie sie behaupteten.

Theobald zauderte einen Augenblick. Auch er wollte den feinen, übersättigten Herrn spielen.

Aber mit aller Gewalt zog es ihn doch vorwärts in den Garten hinein.

Als die Kinder den großen, breiten Weg betreten hatten, der mitten durch den Zoologischen Garten führte, ging Suse bescheiden in züchtiger Haltung vorwärts, als schritte sie durch eine Kirche. Ihr Herz klopfte erwartungsvoll. Die bunten Papageien und Kakadus, die, auf hohen Stangen an kleinen Ketten angeschmiedet, rechts und links vom Wege saßen, schien sie kaum zu beachten.

Ihre Gedanken weilten schon beim König der Tiere.

„Der Löwe,“ murmelte sie leise vor sich hin. „Ach, wenn ich ihn doch nur schon sähe!“

„Sollst du, mein Herzblatt, darfst ihm auch einen Kuß geben,“ sagte Theobald tröstend an ihrer Seite. Und er richtete es so ein, daß die ganze Gesellschaft ihren ersten Gang auf die Raubtierkäfige zu nahm. Hinter den Gittern hervor sahen die Doktorskinder zuerst nur die gelben Felle der Tiere schimmern. Ihre Gestalten konnten sie noch nicht erkennen. — Aber jetzt, als sie näher kamen, erblickten sie den König der Tiere und stutzten. Ruhig und majestätisch lag er da, den mächtigen Kopf mit der schweren Mähne stolz erhoben, das Auge regungslos ins Weite gerichtet. Suse klopfte das Herz bis zum Halse; sie verlangsamte ihren Schritt und blieb dann zitternd stehen. — Der Löwe war aufgesprungen und dicht an das Gitter getreten und ging jetzt mit lautlosen Schritten dort auf und nieder, die Stäbe mit seinem Fell streifend. Und gleichsam einer unsichtbaren Macht gehorchend, hielt er plötzlich im Wandern inne und wandte sein gewaltiges Haupt Suse zu.

Witternd erhob er seine Nase und richtete seine feurigen, funkelnden Augen fest auf sie. Und mit einemmal riß er das Maul auf und brüllte schauerlich.

Suse schrie mit und eilte in großen Sprüngen von dannen.