„Ach, wie schön,“ rief sie, „ach, wie schön! hätten wir doch nur zwanzig von diesen Vögeln. Mit zehn wäre ich auch zufrieden. Ach, am schönsten wäre es doch, die Türe plötzlich zu öffnen und alle Vögel herauszulassen,“ meinte sie. „Sicher würde Hans das auch sagen.“
Aber wo war ihr Bruder? Mit einem Male fiel ihr ein, daß sie ihn schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen hatte.
„Wo ist Hans wohl?“ wandte sie sich an Theobald.
„Ach, der gafft sicher irgendwo durch ein Gitter und sammelt Kenntnisse.“
Noch hatte der Knabe nicht ausgeredet, da bekam sein Gesicht einen gespannten Ausdruck.
In der Ferne hatte er lautes Schelten gehört. Er lauschte angestrengter. Die Stimmen wurden lauter. „Scht,“ mahnte er, „ist das nicht Hans?“
Nun horchte Suse auch hin. Und im nächsten Augenblick eilten beide auf die Richtung zu, aus der der Lärm kam. — Sie glaubten, Hans rufen gehört zu haben.
Nach einigen Sekunden sahen sie einen seltsamen Aufzug um die Ecke biegen: die beiden schwarzen Frauen kamen in großer Aufregung daher. Christoph und Henner hefteten sich gestikulierend wie Volksaufwiegler an ihre Fersen. Toni und die Fremdlinge redeten aufeinander ein, und mitten zwischen ihnen ging stolz wie ein Leu der Wärter und schleppte Hans am Rockkragen neben sich her.
Mit verstörten Augen blickte der kleine Knabe um sich und schwebte alle paar Schritte, durch einen Ruck seines Führers aufgehoben, über den Erdboden dahin.
Suse glaubte bei diesem Anblick, die Erde tue sich auf, und stand einige Augenblicke wie versteinert. Dann lief sie schnell auf ihren Bruder zu, packte ihn bei der Hand und rief: „Was ist denn? Was ist denn? Ach, Hans! Ach, Hans!“