Suse wich auf dem ganzen Weg dorthin nicht von Philipps Seite. — Die Aussichten, die Hans auf Freisprechung hatte, mußten mit dem Freund aus der Heimat eingehend beredet werden. — „Es wird schon alles gut werden, es wird schon alles gut,“ tröstete jener immer wieder. — Dann sprachen die beiden zusammen über Martin und sein Leiden. Von einem künstlichen Bein, das Hans und sie dem armen, verkrüppelten Freund dermaleinst schenken wollten, wenn sie genügend Geld zusammen hätten, plauderte Suse. Auch von Martins Fertigkeit im Schnitzen. — Einen wunderschönen Nähkasten habe er neulich ihrer Mutter geschnitzt, und jetzt gedenke er ein Kreuz für die Kirche anzufertigen, erzählte sie.
Mit stillem Stolz hörte Philipp ihren Lobpreisungen zu.
Theobald aber spielte derweil Erzieher bei Hans und rief, ihn am Arm schüttelnd: „Ich hab’ gemeint, ihr seid schon daheim hier und wißt, wie ihr euch zu benehmen habt. Aber läßt man euch mal aus den Augen, wupp, da habt ihr auch schon ein Kamel am Bein und sollt noch außerdem fünftausend Mark dafür auf den Tisch des Hauses legen! Wie auf die Wickelkinder muß man auf euch aufpassen! Gräßlich! Man läßt sich doch nicht so einfach von jedem Lügenbold sagen, daß man was getan hat, wenn es nicht wahr ist. Wozu hat man denn seine männliche Faust? Doch nicht dazu, daß man sie in die Tasche steckt, sondern daß man damit um sich boxt. Verstanden?“
„Ja!“ sagte Hans kleinlaut.
Vor dem Haus der Frau Cimhuber bat Suse ihren Landsmann eindringlich, doch ein wenig mit hinauf zu gehen und Frau Cimhubers Wohnung anzusehen, damit er allen Freunden und Bekannten daheim erzählen könne, wie fein sie wohnten. — Sie hätten nämlich auch eine Negerstube.
Doch Philipp drückte den Hut tiefer in die Stirn und meinte verlegen, der Pfarrfrau sei es sicher nicht angenehm, wenn ihr ein fremder Mann die Stuben voll Schmutz trage. — Drum wolle er sich mit ihnen lieber an einem dritten Ort noch einmal treffen. — Einen Tag bliebe er voraussichtlich noch hier. So verabredeten die drei aus Schwarzenbrunn denn eine Zusammenkunft für den andern Morgen bei der roten Brücke, wo Philipps Kahn lag, nicht weit von Frau Cimhubers Wohnung.
Nachdem diese Verabredung getroffen war, verabschiedete sich die Gesellschaft voneinander.
Und nun wurde es den Geschwistern mit einemmal wieder recht beklommen zu Sinn.
Jetzt hieß es ja, Frau Cimhuber beichten, was sich zugetragen hatte.