„Das schon,“ meinte Philipp, „aber man hat halt viel zu tun, und da vergißt man das Heimweh. Und dann denkt man auch immer, die Zeit geht herum. — Jetzt noch zwei bis drei Wochen, dann bin ich wieder zu Hause.“

„Vor Pfingsten schon?“ fragte Suse.

Er nickte.

„Wie schade!“ rief das kleine Mädchen, „wenn du doch noch ein wenig warten würdest, könnten wir die Reise zusammen machen. Pfingsten gehen wir auch nach Hause. Denke dir, wie schön es wäre, wenn wir alle drei zusammen ankämen. — Martin will uns abholen. Weißt du dort auf dem Rain, wo der Weg aus dem Walde kommt, dort wartet er schon am Mittag, wenn wir auch erst um fünf Uhr kommen. Er hat’s gesagt, und das letzte Stück fährt er in der Postkutsche mit uns.“

Hier sah sich Philipp forschend um und fragte ganz erstaunt: „Wo ist denn Hans? Er ist doch nicht krank? Fehlt ihm was? Er ist doch auch mit dir hier zum Lernen?“

Da verdunkelte sich Susens Gesicht aufs neue, und sie erzählte bitterlich weinend alles, was sich zugetragen hatte. Und plötzlich kam Leben in den stillen, zurückhaltenden Gebirgsbewohner, und er rief blitzenden Auges: „Ist der Bursch, der mit Sand geworfen hat, vielleicht so ein kleiner Knirps, dünn wie ein Wollfaden, der mit den beiden schwarzen Weibsgestellen da herumläuft? Himmelsapperment, den hab’ ich vorhin gesehen, wie er einem Affen einen kleinen Stein an den Kopf geworfen hat. Da hab’ ich mir gesagt, jetzt noch ein Wurf, und du langst ihm eine, daß ihm der Hut vom Kopfe fliegt. — Wo ist er?“

„Da drin,“ rief Theobald, auf das Gebäude der Direktion deutend. Und Philipp sprang in großen Sätzen geradeswegs auf die Eingangstüre des Hauses zu.

Theobald eilte in gleichen Schritten hinterdrein, kehrte aber wie der Wind wieder um, als er im Vorraum des Gebäudes plötzlich die Stimme des Wärters hörte. —

Nun währte es nicht mehr lange, da kam auch die übrige Gesellschaft wieder zum Vorschein. Allen voran schritt Philipp, Hans an der Hand haltend. Des jungen Mannes Augen blitzten wie die eines Siegers. Trotzdem hatte er wenig ausrichten können. Der Wärter und die Fremdlinge hatten eben zu fest auf ihrer Behauptung bestanden, Hans sei der Missetäter, als daß er etwas dagegen hätte tun können. — Aber die Sache sollte noch einmal untersucht werden, hatte ihm einer der Beamten versichert. — Inzwischen sollte erst mal abgewartet werden, ob das Kamel überhaupt erblinde. — In diesem Falle werde es Hans zugesprochen werden, und der müsse fünftausend Mark dafür bezahlen. — Natürlich gehöre das Tier dann ihm.

Nachdem Suse und ihre kleinen Verwandten das Urteil vernommen hatten, trennten sie sich voneinander, Toni, um mit ihren jüngeren Brüdern in die Villa Granada zu gehen und Liselotte abzuholen, Theobald, um mit Philipp und den Doktorskindern ihre Wohnung aufzusuchen.