Moraceae
Aus der Verwandtschaft des Maulbeerbaumes und des Feigenbaumes liefert uns die Gattung Ficus zwei dankbare, sehr beliebte und verbreitete Zimmerpflanzen, den Gummibaum, Ficus elastica Roxb. aus Ostindien und die Kletterfeige, Ficus stipulata Thbg.[42], eine reizende Hängepflanze. Der Gummibaum ist zu bekannt, als daß er beschrieben zu werden brauchte. Er will eine sehr nahrhafte, humusreiche Erde und wahrend der Vegetation sehr reichlich Wasser haben. Sowie er kleinere Blätter bildet, muß er sofort, mit möglichster Schonung des Wurzelballens, verpflanzt werden. Die Blätter sind recht häufig mit warmem Wasser abzuwaschen und zu besprengen. Die Kletterfeige will dieselbe Erde. Sie hat kleine, eiförmige [pg 70] sitzende Blättchen von der Größe eines Zweipfennigstückes, welche an sehr dünnen Zweigen sitzen. Häufiges Besprengen ist auch hier gut.
Ficus stipulata
Celastraceae
Aus dieser Familie ist der japanische Spindelbaum, Evonymus japonica Thunb.[43], in verschiedenen Formen mit grünen, weiß- oder gelbgestreiften Blättern, eine der härtesten Blattpflanzen, welche aber während der Wintermonate durchaus kühl, aber frostfrei, gehalten werden muß. Im übrigen lassen sich diese Pflanzen so ziemlich alles gefallen. Ihres dicht buschigen Wuchses wegen kann man sie vielfach verwenden. Gibt man ihnen eine recht nahrhafte Erde und reichlich Wasser während des Sommers, [pg 71] so entwickeln sie ihre ovalen, lederartigen, glänzenden Blätter sehr schön.
Begoniaceae
Die Schiefblätter oder Begonien gehören mit Recht zu den beliebtesten Zimmerblattpflanzen. Ihr großer Formenreichtum, ihre Mannigfaltigkeit in der Blattfärbung und ihre verhältnismäßig leichte Kultur und Vermehrung machen sie so recht dazu geeignet, Modepflanzen zu werden. Sammlungen von Begonien sind verhältnismäßig selten und doch sind gerade die Begonien recht wohl im stande, auch in einer größeren Sammlung das Interesse des Pflanzenfreundes wachzuhalten. Ein ganz besonderer Vorteil der Begonien ist es, daß sie keine Sonne brauchen, daß sie im sonnenfreien hellen Zimmer gut gedeihen. Gibt man ihnen hier einen Platz auf einem treppenartigen Aufbaue und spritzt man sie häufiger, so entwickeln sie sich in lockerer, humusreicher, sandiger Erde bei häufiger Anwendung eines Dunggusses vorzüglich. Nur Kälte können sie nicht vertragen. Das Zimmer, in dem sie im Winter gehalten werden, soll geheizt sein. Die Vermehrung geschieht durch Aussaat, durch Stecklinge, Blattstecklinge und Luftknollen. Der staubfeine Same wird am besten vor der Aussaat mit einem größeren Quantum feinen Sandes recht gleichmäßig gemischt, damit die Samen nicht zu dicht liegen und auf gut geglättete, lockere Erde im Februar ausgesät, darauf mit einem Brettchen festgedrückt und leicht mit einem Zerstäuber überbraust. [pg 72] Damit die Erde oben nicht austrocknet, bedeckt man den Topf mit einer Glasscheibe. Die sehr kleinen Sämlinge werden möglichst bald auf 1 cm Entfernung in lockere Erde pikiert und auch nur durch Besprengen befeuchtet. Sowie sie sich gegenseitig berühren, pikiert man sie auf doppelte Entfernung. Haben sie auch diese Größe erreicht, dann kann man sie einzeln in kleine Töpfe pflanzen. Jedesmal, wenn die Wurzeln die Topfwand erreichen, verpflanzt man sie in etwas größere Töpfe, die, da die Wurzeln nicht sehr tief gehen, breiter als hoch sein sollen. Begonien vertragen es nicht, wenn sie sich gegenseitig berühren. Deshalb stelle man sie immer soweit, daß etwas Zwischenraum zwischen den einzelnen Pflanzen bleibt. Die Vermehrung durch gewöhnliche Stecklinge gelingt sehr leicht, wenn man die Stecklinge bis zur Bewurzelung unter Glas hält. Sehr interessant ist die Blattstecklingsvermehrung, welche man leicht ausführen kann, wenn man über einen kleinen heizbaren Kasten verfügt. Wie diese Blattstecklinge gemacht werden, wurde bereits früher (s. [S. 22]) angegeben. Nachdem sich an den Blättern junge Pflänzchen gebildet haben, nimmt man diese ab und behandelt sie ganz wie Sämlinge. Eine Anzahl Begonien bilden im Herbst in den Achseln der Blätter erbsengroße Knöllchen, welche schließlich abfallen. Man hebt dieselben am besten in trockener Erde auf und legt sie im nächsten Frühjahre, wenn sie zu treiben beginnen, einzeln in kleine Töpfe in gute Erde. Es entwickeln sich aus ihnen schnell kräftige Pflanzen, welche wiederholt zu verpflanzen sind. Die Knollen selbst werden größer und bleiben während des [pg 73] Winters, nachdem die oberirdischen Teile eingezogen sind, in der Erde, die man nun nicht mehr gießt.