Als einige kleinere Projekte dieser Art wirklich zur Ausführung gelangten und man allgemein das Gute anerkennen mußte, gewann Johannes immer mehr Achtung und Ansehen, und er wurde sogar in den Gemeinderat gewählt.
Dieses Ereignis war ein schwerer Schlag für den Bürgerzopf; denn so etwas war noch nie erhört worden in Haldenburg, und manches alte Bäuerlein, das sich nicht mehr in die neue Zeit hineinfinden konnte, meinte, die Vorfahren würden sich noch im Grabe umdrehen, wenn sie wüßten, wie man ihre heiligsten Ueberlieferungen mißachte.
Von jetzt an ging es rasch vorwärts im neuen Kurs. Der Stein war nun einmal ins Rollen gekommen und niemand vermochte ihn aufzuhalten. Die notwendigsten der geplanten Verbesserungen wurden nacheinander durchgeführt, andere, weniger dringende, wurden einstweilen noch zurückgelegt, da man bei den mißlichen Verhältnissen, in welche die Gemeinde durch die fortwährend schlechte Verwaltung nach und nach gekommen war, nicht zu viel auf einmal wagen durfte.
Der allgemeine Aufschwung hatte eine bedeutende Verkehrssteigerung zur Folge, welche sich hauptsächlich durch vermehrte Ab- und Zufuhr geltend machte. Auch hatte man durch Entwässerung eines großen Sumpfgebietes in der Ebene drunten mehr Kulturland gewonnen, dessen Erträge ins Dorf heraufgeführt werden mußten. So war es zur dringlichen Notwendigkeit geworden, einen bequemeren Zufahrtsweg zu schaffen. Es gehörte denn bald auch der berüchtigte »Haldenburgerstutz« der Vergangenheit an. An einer Biegung der neuen Straße wurde ein Felsblock aufgestellt, den man beim Bau derselben ausgegraben hatte, und darauf ist der Spruch eingemeißelt:
»Rastlos vorwärts mußt du streben,
Nie ermüdet stille steh'n,
Willst du die Vollendung seh'n.«
Dieses sollte der Wahrspruch werden für die Weiterentwicklung Haldenburgs, und wer heute dorthin kommt, der muß bekennen, daß das rastlose, unermüdliche Vorwärtsstreben auch zu einem schönen Erfolge geführt hat; denn Haldenburg kann mit seinen geordneten Verhältnissen, unter denen Landwirtschaft und Gewerbe blühen, den umliegenden Gemeinden als Muster dienen. Die Geschichte seines Aufschwungs aber beweist, wie wichtig es für ein Gemeinwesen ist, wenn Männer in ihm wirken, denen das öffentliche Wohl am Herzen liegt, und die mit Energie und Tatkraft in umsichtiger Weise für dasselbe einstehen, wo immer es notwendig ist.
Unsere Bauern aber mögen aus vorstehender Schilderung die Lehre ziehen, wie notwendig es ist, daß bei der Ausbildung junger Landwirte nichts versäumt wird. Echte und rechte Bauern sind notwendig, Männer, die imstande sind, mit Energie und Intelligenz den althergebrachten Ideen und Ansichten die Stirne zu bieten und einzutreten für einen gesunden Fortschritt, durch welchen die Hebung der Landwirtschaft sich vollziehen soll.
In der Voraussetzung also, daß Johannes Wachter nicht nur allein für Haldenburg so nutzbringend gewirkt habe, sondern auch vielen andern seiner Berufsgenossen als leuchtendes Beispiel diene, nehmen wir von ihm und dem Lindenbühl Abschied.