Erst als man von allen Seiten in ihn drang und selbst seine Freunde ihn eines befriedigenden Erfolges versicherten, beschloß er endlich, nochmals die Zusammenberufung einer Versammlung zu wagen, hatte dann aber auch die Freude, die Sache vollständig gelingen zu sehen. Der Besuch war nicht nur ein sehr großer, sondern viele der anwesenden Bauern erklärten sich auch gleich bereit, dem Verein beizutreten.
Johannes, der nun schon aus Erfahrung wußte, daß man so einen aufflammenden Eifer möglichst gut auszunützen suchen müsse, legte der Versammlung einen Statutenentwurf vor, und als die verschiedenen Paragraphen durchberaten und angenommen waren, wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten, wobei natürlich Johannes als Präsident hervorging. So wurde in einer Sitzung in Haldenburg ein landwirtschaftlicher Verein gegründet, der über 30 Mitglieder zählte. Selbst einige der Dorfmagnaten waren dem Verein beigetreten. Sie mochten darauf rechnen, auch hier eine Rolle spielen zu können.
Nun ging es in Haldenburg rasch vorwärts mit dem Fortschritt in der Landwirtschaft. Ein Cyklus von Vorträgen über die verschiedensten Gebiete der Landwirtschaft, sowie einige Kurse sollten den Bauern Gelegenheit geben, sich grundlegende Kenntnisse zu verschaffen, mittelst denen es ihnen möglich sein sollte, aus ihren Betrieben einen größeren Nutzen zu ziehen.
Die Mitglieder des Vereins suchten nicht nur aus Büchern und Zeitschriften zu erfahren, wie man anderwärts vorgehe, oder diese oder jene Neuerung sich zunutze mache, sondern sie tauschten auch ihre eigenen Beobachtungen und Erfahrungen gegenseitig aus, was von großem Nutzen war; denn unter den verschiedenen Verhältnissen, namentlich in Bezug auf Boden und Klima, verändern sich ja bekanntlich die Resultate der landwirtschaftlichen Tätigkeit oft um ein beträchtliches, so daß die Beobachtungen, die an Ort und Stelle selbst gemacht werden, immer die beachtenswertesten sind.
Der gemeinschaftliche Bezug von Dünger, Samen und andern landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln hatte sich schon vorher bewährt. Es wurde deshalb diese Institution in die Vereinstätigkeit aufgenommen und stetig erweitert. So wurde der genossenschaftliche Sinn bei den Haldenburgern trefflich genährt, bald wurde eine Viehzuchtgenossenschaft gegründet und die Sennerei, die schon früher genossenschaftlich betrieben wurde, besser eingerichtet und nach den Anforderungen der Neuzeit umgestaltet.
Allen diesen Maßnahmen war es zu verdanken, daß nicht nur die Erträge beträchtlich erhöht, sondern auch die Produkte bedeutend verbessert wurden, so daß sie an Ansehen gewannen und marktfähiger wurden. Während man früher von Haldenburg nie etwas gutes erwartete und daher der Absatz ein äußerst schlechter war, stellten sich jetzt Käufer ein, welche gute Ware suchten und auch dementsprechend bezahlten. So sah man sich jetzt auch für seine Mühe entschädigt und arbeitete mit viel größerer Lust. Der Aufschwung bedeutete also direkten und indirekten Nutzen.
Freilich wäre es ein Irrtum, zu glauben, daß sich die günstige Veränderung, welche so viel Gutes mit sich brachte, so glatt vollzog, wie sie eben geschildert wurde. Da galt es anzukämpfen gegen eine ganze Menge von Vorurteilen und Scheingründen. Die Gutgesinnten bildeten noch lange die Minderheit. Viele wollten sich durchaus vom Alten nicht losmachen, obwohl eigentlich mancher keinen andern Grund dafür angeben konnte, als seine Engherzigkeit, seinen Hochmut und die Lust am Streiten.
Die größten Schwierigkeiten traten ein, als der landwirtschaftliche Verein es als seine Aufgabe erkannte, sich auch mit Angelegenheiten zu befassen, welche die Gemeinde angingen, wie z. B. Weganlagen, Alpverbesserungen, eine neue Waldordnung u. s. w. Alles dies waren Projekte, die nicht mehr länger aufgeschoben werden durften, wollte man nicht auf halbem Wege stehen bleiben.
Johannes sah zwar voraus, daß enorme Schwierigkeiten zu überwinden seien, bis man in dieser Beziehung ans Ziel gelange, aber jetzt, da er nicht mehr allein dastand im Kampfe, schreckten ihn die Hindernisse nicht.
Mit wohlberechneter Klugheit trat er nie für etwas ein, das er nicht vorher wohlerwogen und ausgedacht hatte. Bevor er einer Verbesserung das Wort redete, berechnete er immer die Opfer, die dafür zu bringen seien und den Nutzen, den man nach der Ausführung erwarten durfte. So konnte er der Opposition mit ziffernmäßigen Belegen gegenübertreten, und dieser Umstand half manchmal allein schon der Sache zum Durchbruch.