Dort stehen auch zwei hohe Säulen, auf denen zwei Priester mit silbernen Trompeten postiert sind. Sie blasen zu Beginn der Opferhandlung, um den Priestern auf der Kanzel ein Zeichen zu geben, daß sie den Lobgesang anstimmen mit klangvollen und dankerfüllten Tönen, mit allen Musikinstrumenten; an diesem Tage werden alle Instrumente verwendet. Auch der Opferer fällt in den Lobgesang ein. Ist das Opfer aber noch nicht beendigt, so wird der Lobgesang nochmals angestimmt.

Nach dem Schlachten geht man hinaus in die Hallen; dort sind die Wände ringsum mit eisernen Haken und Zinken versehen, an denen man das Opfertier aufhängt, um es abzuhäuten. Auch viele Stäbe gibt es dort; denn falls kein Haken frei ist, nimmt man zum Abhäuten einen Stab. Sodann gibt man ab, was für den Altar gebührt, und geht leichten und fröhlichen Mutes fort, wie ein Sieger im Kampf. Denn das Peßachopfer nicht zur rechten Zeit dargebracht zu haben, gilt als ewige Schande.

Die Priester tragen während dieser Diensthandlung rote Gewänder, damit man das Blut nicht sieht, das auf sie spritzt. Das Kleid ist kurz und reicht nur bis zu den Knien, sie sind auch barfuß und ihre Ärmel reichen nur bis zum Oberarm, alles, damit sie während der Verrichtung nicht behindert sind. Auf dem Haupte tragen sie eine hutartige Mütze, um die drei Ellen Tuch wie ein Turban gewunden sind. Der Hohepriester aber hat, wie man mir gesagt hat, einen vierzigfach gewundenen weißen Turban. Die Öfen, in denen das Opfer gebraten wird, sind nahe dem Eingang; man erklärte mir, dies diene dazu, den Glauben und die Freude an dem Feste recht öffentlich und allgemein zu machen. Wenn es gebraten ist, essen sie es mit Singen und Jubeln; noch aus der Ferne hört man ihre jauchzenden Stimmen. Und in den Peßachnächten werden wegen der vielen Fremden an keinem Tore von Jerusalem die Türen geschlossen; die Juden sagen, zu Peßach seien doppelt so viel Menschen da, als aus Ägypten zogen.


DER TAUSCH.

Von Mendele Mocher Sforim.

Im Monat Adar, sagt der Talmud, freut man sich. Der Schnee schmilzt, auf allen Wegen liegt tiefer Schmutz und ehrliche Juden, abgerissen und schmierig, beginnen nachzudenken, woher sie Geld für die Peßachfeier nehmen sollen — die Zeit unsrer Freude ist da!

Um diese Zeit erhielt ich einen Brief von einem Glupsker Bekannten, ich solle doch ja so bald als möglich zu ihm kommen, mit Sack und Pack, mit dem Planwagen und den Bücherbündeln, um einen Tausch zu machen: er wolle mir für meine alte Ware neue geben, Sammelbücher, Unterrichtswerke, Gedichte, Bilder und Skizzen, hochinteressante Romane, psychologische, ökonomische und soziale Erzählungen, dazu feine und kunstvolle Gegenstände von mancherlei Art, Chanukahlampen und dergleichen mehr. Mein Bekannter in Glupsk betreibt vielerlei Geschäfte mit wenig Segen. Er ist Buchhändler und Makler und auch ein Stückchen von einem Schriftsteller und Verleger, und dazu ein armer Teufel, das aber in reichem Maße. Um ehrlich zu sein: ich habe sein Anerbieten nicht ganz ernst genommen, denn ich wußte ja, daß er im Notfall — er nehme es mir nicht übel — ein Lügner sei, wie das ja oft bei Kaufleuten so geht, die in Kauf und Verkauf das Maß „verbessern“: ihre Ware ist pures Gold, die des andern schlechtes Blech.

So habe ich also von seinem Briefe, der die alte Ware in Grund und Boden verdammte und die neue über den grünen Klee lobte, nicht viel Aufhebens gemacht. Dann aber überlegte ich, daß es am Ende doch so übel nicht wäre, nach Glupsk zu fahren. Wozu sollte ich meine Ware so lange festhalten? Wohl möglich, daß die andere schlechter, daß sie ganz wertlos war; aber besser oder schlechter — man muß handeln. Mag der Besen schlechter sein — wenn er nur neu ist!