Drei Personen sind es jedoch, auf deren Schultern eine ganze Welt von Plagen und Mühen liegt. Der eine ist der „Mehriner“, der andere der Kneter, der dritte der Schießer. Diese Trias ist wahrhaft bewundernswürdig und zugleich bedauernswert, denn ihre Beschäftigung ist die mühseligste von allen.

Der „Mehriner“ mißt das Mehl und teilt es dem Kneter zu. Der Teig wird in kupfernen Kesseln bereitet und bedarf nur einer sehr einfachen Manipulation, Mehl und Wasser. Die Hauptsorge des Kneters besteht darin, daß der Teig sobald als möglich durchknetet sei, wozu ihm wenige Minuten gegeben sind. Denn durch ein längeres Verzögern könnte er in Fermentation geraten, und tausend Argusaugen sind da auf der Lauer, die ein jedes Versehen mit bitterem Spotte, ja wohl auch mit Dispensierung des Kneters bestrafen können.

Der Schießer endlich ist niemand anderes als der Bäcker selbst. Man denke sich einen Menschen, der mit wenigen Unterbrechungen vierzehn Tage, ja sogar drei Wochen in einem fort der Hitze des Ofens ausgesetzt ist, und man hat eine linde Vorstellung von langsamem Verbranntwerden. Der Schießer gehört gewöhnlich der christlichen Religion an, wie überhaupt in manchen Gemeinden auch Christenmädchen zur Bereitung der Osterbrote verwendet werden.

Sobald ein solches ungesäuertes Brot aus der Backstube hinausgetragen, wird es ohne Weile auf die Schaufel gelegt und mit ungemeiner Flinkheit vom Schießer in den Ofen getan. Nach wenigen Minuten kehrt es bereits gebacken zurück. Hier wird es gewöhnlich von der Hausfrau, die die Brote backen läßt, empfangen und längs eines langen Tisches, der mit weißen Linnen bedeckt ist, aufgestellt. Oder ein ganzes Rudel Kinder ist es, das sich diesem Geschäfte mit aller Freudigkeit hingibt, gewöhnlich die Kinder der Hausfrau, oder, wenn die nicht, fremde. Diesen läßt man als Entgelt ihrer Mühe kleine Fischlein aus ungesäuertem Teige backen, mit denen sie dann am Abend in der Gasse herumrennen, sie triumphierend ihren Gespielen hinweisend, die mit solchen Trophäen noch nicht zu glänzen haben.

Durch all dies Gedränge und Schreien und Rufen wandelt aber noch eine Figur, deren wir bis jetzt noch nicht erwähnt haben. Es ist der „More Zedek“, ein Gelehrter, der darüber zu wachen hat, daß alles in größter Ordnung und ohne Verletzung der geringsten religiösen Zeremonie vor sich gehe. Er beaufsichtigt den Mehriner und den Kneter, damit dieser den Teig nicht über die Zeit in dem kupfernen Kessel herumknete, dann wirft er aufmerksame Blicke denen zu, die die ungesäuerten Brote verfertigen, damit auch sie nicht dem Gesetze zuwiderlaufen, das da ungesäuerte Brote will. Zuweilen trifft es sich auch, daß man ihm religiöse Bedenken vorträgt, die er zu schlichten hat. Ein ungesäuertes Brot war nicht nach rechter Art durchlöchert, in der Ofenhitze stiegen Blasen auf, oder sonst ein Gebrechen ist daran zu erblicken. Nun kommt die Hausfrau mit dem fraglichen Corpus delicti und fragt den Rabbi, ob er dieses Brot für gültig erkläre oder nicht. Der Rabbi schaut es lange mit prüfendem Blicke an und sagt entweder ja oder nein. Im verneinenden Falle wird das ungesäuerte Brot eine Beute der Kinder, und sie teilen sich so fröhlich darein, daß man es ihnen ansieht, sie würden gar nichts dagegen haben, wenn der Rabbi das ganze Gebäck für ungültig erklären wollte.

Die größte Sorge und Virtuosität wird aber auf die sogenannten „Mizwahbrote“ verwendet. Das sind diejenigen ungesäuerten Brote, die man an den beiden ersten Abenden des Osterfestes braucht, wo der Hausvater im Kreise der Seinigen den Auszug der Israeliten aus Ägypten feiert. Diese Brote sind von einer größeren Beschaffenheit als die anderen, und die Mädchen, die sie verfertigen, legen eine besondere Vorsorge an den Tag, sie so fein und groß und rund als möglich auszudehnen. Auch rivalisieren sie während des Wellens miteinander, wer von ihnen das größte Monstrum hervorzubringen imstande sei.

Ist endlich das Backgeschäft vorüber, so erhalten die Leute ihren Lohn, wobei es gewöhnlich zu nicht unbedeutenden Zänkereien kommt. Es findet sich da manche sparsame Hausfrau oder manch knickeriger Hausherr, die über den bedungenen Lohn nichts „von sich lassen wollen“, wie man sagt. Denn man begehrte noch ein kleines Trinkgeld von ihnen, indem man auf das vortreffliche Gebäcke hinweist, das man bereitet. Läßt sich die Hausfrau bewegen und tut noch etwas hinzu, so erhält sie tausend Segnungen und Beglückwünschungen, tut sie es nicht, so spricht und grollt man sehr viel, und sie kann gewiß sein, daß im nächsten Jahre die ungesäuerten Brote viel schlechter ausfallen werden als heuer. So ein Bäcker hat für solche Seelenkränkungen ein treffliches Gedächtnis.