Es war an einem Abend, da so der König saß, 828
Viel reiche Kleider wurden da vom Weine naß,
Als die Schenken sollten zu den Tischen gehn:
Da sah man volle Dienste mit großem Fleiße geschehn.
Wie bei Hofgelagen Sitte mochte sein, 829
Ließ man zur Ruh geleiten Fraun und Mägdelein.
Von wannen wer gekommen, der Wirth ihm Sorge trug;
In gütlichen Ehren gab man Allen genug.
Die Nacht war zu Ende, sich hob des Tages Schein, 830
Aus den Saumschreinen mancher Edelstein
Erglänzt' auf gutem Kleide; das schuf der Frauen Hand.
Aus der Lade suchten sie manches herrliche Gewand.
Eh es noch völlig tagte, kamen vor den Saal 831
Ritter viel und Knechte: da hob sich wieder Schall
Vor einer Frühmesse, die man dem König sang.
So ritten junge Helden, der König sagt' ihnen Dank.
Da klangen die Posaunen von manchem kräftgen Stoß; 832
Von Flöten und Drommeten ward der Schall so groß,
Worms die weite Veste gab lauten Widerhall.
Auf die Rosse sprangen die kühnen Helden überall.
Da hob sich in dem Lande ein hohes Ritterspiel 833
Von manchem guten Recken: man fand ihrer viel,
Deren junge Herzen füllte froher Muth.
Unter Schilden sah man manchen zieren Ritter gut.
Da ließen in den Fenstern die herrlichen Fraun 834
Und viel der schönen Maide sich im Schmucke schaun.
Sie sahen kurzweilen manchen kühnen Mann:
Der Wirth mit seinen Freunden zu reiten selber begann.
So vertrieben sie die Weile, die dauchte sie nicht lang. 835
Da lud zu dem Dome mancher Glocke Klang:
Den Frauen kamen Rosse, da ritten sie hindann;
Den edeln Königinnen folgte mancher kühne Mann.
Sie stiegen vor dem Münster nieder auf das Gras. 836
Noch hegte zu den Gästen Brunhild keinen Haß.
Sie giengen unter Krone in das Münster weit.
Bald schied sich diese Liebe: das wirkte grimmiger Neid.
Als die Messe war gesungen, sah man sie weiter ziehn 837
Unter hohen Ehren. Sie giengen heiter hin
Zu des Königs Tischen. Ihre Freude nicht erlag
Bei diesen Lustbarkeiten bis gegen den eilften Tag.