"Ihr mit euern Mannen nehmt der Heimat wahr; 912
Laßt mich zu ihnen reiten mit meiner Leute Schar.
Daß ich euch gerne diene, laß ich euch wohl sehn:
Von mir soll euern Feinden, das wißet, übel geschehn."
"Nun wohl mir dieser Märe," der König sprach da so, 913
Als wär er seiner Hülfe alles Ernstes froh.
Tief neigte sich in Falschheit der ungetreue Mann.
Da sprach der edle Siegfried: "Laßt euch keine Sorge nahn."
Sie schickten mit den Knechten zu der Fahrt sich an: 914
Siegfrieden und den Seinen ward es zum Schein gethan.
Da hieß er sich rüsten Die von Niederland:
Siegfriedens Recken suchten ihr Streitgewand.
Da sprach der starke Siegfried: "Mein Vater Siegmund, 915
Bleibt ihr hier im Lande: wir kehren bald gesund,
Will Gott uns Glück verleihen, wieder an den Rhein.
Ihr sollt bei dem König unterdessen fröhlich sein."
Da wollten sie von dannen: die Fähnlein band man an. 916
Umher standen Viele, die Gunthern unterthan
Und hatten nicht erfahren, wie es damit bewandt.
Groß Heergesinde war es, das da bei Siegfrieden stand.
Die Panzer und die Helme man auf die Rosse lud; 917
Aus dem Lande wollten viel starke Recken gut.
Da gieng von Tronje Hagen hin, wo er Kriemhild fand;
Er bat sie um Urlaub: sie wollten räumen das Land.
"Nun wohl mir," sprach Kriemhild, "daß ich den Mann gewann." 918
Der meine lieben Freunde so wohl beschützen kann,
Wie hier mein Herr Siegfried an meinen Brüdern thut:
Darum trag ich," sprach die Königin, "immer fröhlichen Muth.
"Lieber Freund Hagen, nun hoff ich, ihr gedenkt, 919
Daß ich euch gerne diene; ich hab euch nie gekränkt.
Das komme mir zu Gute an meinem lieben Mann:
Laßt es ihn nicht entgelten, was ich Brunhilden gethan.
"Des hat mich schon gereuet," sprach das edle Weib, 920
"Auch hat er so zerbleuet zur Strafe mir den Leib,
Daß ich je beschwerte mit Reden ihr den Muth,
Er hat es wohl gerochen, dieser Degen kühn und gut."
Da sprach er: "Ihr versöhnt euch wohl nach wenig Tagen. 921
Kriemhild, liebe Herrin, nun sollt ihr mir sagen,
Wie ich euch dienen möge an Siegfried euerm Herrn.
Ich gönn es niemand beßer und thu es, Königin, gern."